Licht ist eine Welle. Das war bis 1850 das Urteil — Young, Fresnel, Maxwell stimmten überein. Dann, im Jahr 1905, schlug Einstein vor, Licht komme in diskreten Portionen, Quanten genannt (später Photonen), mit Energie E = hν proportional zur Frequenz. Er erklärte damit den Photoeffekt: die Energie der ausgelösten Elektronen hängt von der Frequenz des Lichts ab, nicht von dessen Intensität. Das Nobelkomitee verlieh Einstein den Preis 1921 nicht für die Relativitätstheorie, sondern für die Arbeit zum Photoeffekt. In den 1920er Jahren schlug Louis de Broglie die Umkehrung vor: wenn Wellen sich wie Teilchen verhalten können, dann können Teilchen sich wie Wellen verhalten. Elektronen, Protonen, Atome — sie alle erwiesen sich als fähig, mit sich selbst zu interferieren. Der Welle-Teilchen-Dualismus — jedes Quantenobjekt ist beides — ist das zentrale Deutungsrätsel der Quantenmechanik.
Licht zeigt Wellenverhalten: Interferenzmuster im Doppelspaltexperiment, Beugung, Polarisation. Licht zeigt aber auch Teilchenverhalten: der Photoeffekt (Einstein, 1905) belegt diskrete Energiequanten; die Compton-Streuung (1923) belegt diskreten Impulsaustausch; einzelne Photonen lassen sich einer nach dem anderen nachweisen. Die beiden Bilder lösen sich auf, sobald man akzeptiert: Licht wird durch ein Quantenfeld beschrieben, dessen Anregungen sich wie wellenartige Quanten verhalten — weder klassische Welle noch klassisches Teilchen, sondern eine dritte Sache. Teilchen zeigen ebenfalls Wellenverhalten. Die Elektronenbeugung (Davisson-Germer, 1927) bestätigte de Broglies Hypothese: ein Elektron mit Impuls p hat eine Wellenlänge λ = h/p. Neutronenbeugung und Atom-Interferometrie dehnten den Befund auf schwerere Objekte aus; die Molekül-Interferometrie mit C₆₀-Buckminsterfullerenen (1999) und mit biologischen Molekülen (2019) zeigte Quanteninterferenz für makroskopische Objekte. Das Doppelspaltexperiment mit einzelnen Teilchen: schickt man Elektronen einzeln los, baut sich über viele Durchgänge ein Interferenzmuster auf, obwohl jedes als lokalisierter Einschlag ankam. Jedes Teilchen interferiert mit sich selbst. Versucht man festzustellen, durch welchen Spalt es ging, verschwindet das Muster — das Teilchen ist nun lokalisiert. Der Akt der Messung verändert das Ergebnis. Deutungsschulen — Kopenhagener Deutung, Viele-Welten, Bohmsche Mechanik, QBism — machen dieselben Vorhersagen, sind sich aber uneins darüber, was eigentlich geschieht. Die Mathematik ist gesichert: Quantensysteme werden durch Wellenfunktionen beschrieben, die sich nach der Schrödingergleichung entwickeln; die Messung liefert probabilistische Ergebnisse über die bornsche Regel.
Elektronenmikroskope nutzen die Wellennatur der Elektronen zur Abbildung in subatomarer Auflösung, weit besser als jedes optische Mikroskop. Röntgenkristallographie — sie offenbarte die Strukturen der DNA, des Hämoglobins und fast der gesamten strukturellen Biologie — nutzt Röntgenstrahlung, die an kristallinen Atomanordnungen gebeugt wird. Quantencomputer nutzen Quantensuperposition und Interferenz der Qubit-Zustände — Welle-Teilchen-Dualismus auf Ingenieurebene. Atomuhren (die Cäsium-Uhren, die die SI-Sekunde definieren) arbeiten mit atomaren Übergängen zwischen quantisierten Energieniveaus. Der Grundsatz, dass Quantenobjekte weder Wellen noch Teilchen sind, sondern eine dritte Sache mit Zügen von beidem, ist heute die Standardvoraussetzung jeder Quantentechnologie.