Die Bibliothek · PhysikTafel № 242 · Folio II
ILL. № 242
PHYS
Plate — Welle-Teilchen-Dualismus

Welle-Teilchen-Dualismus

Solange niemand genau hinsieht, verhält sich Licht wie eine Welle; sobald jemand nachprüft, wie ein Teilchen. Und was für das Licht gilt, gilt für Elektronen, Atome und ganze Moleküle ebenso.
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Facetten
  • Light arrives in photonsnoch nicht geprüft
  • Particles carry a de Broglie wavelengthnoch nicht geprüft
  • Wave propagation in a mediumnoch nicht geprüft
Der Beitrag

Licht ist eine Welle. Das galt im 19. Jahrhundert als ausgemacht — Young und Fresnel hatten es begründet, Maxwells Elektrodynamik besiegelte es in den 1860ern. Doch 1905 behauptete Einstein, Licht komme in diskreten PortionenQuanten, später Photonen genannt —, mit einer Energie E = hν proportional zur Frequenz. Anlass war der Photoeffekt: Wie viel Energie die herausgelösten Elektronen mitbekommen, hängt von der Frequenz des Lichts ab — nicht von seiner Intensität. Das Nobelkomitee sprach Einstein den Preis des Jahres 1921 zu — nicht für die Relativitätstheorie, sondern für die Arbeit zum Photoeffekt. In den 1920er Jahren drehte Louis de Broglie den Gedanken um: Wenn Wellen sich wie Teilchen verhalten können, dann können sich auch Teilchen wie Wellen verhalten. Und tatsächlich: Elektronen, Protonen, ganze Atome interferieren mit sich selbst. Der Welle-Teilchen-Dualismusjedes Quantenobjekt ist beides — ist bis heute das zentrale Deutungsrätsel der Quantenmechanik.

Licht zeigt Wellenverhalten — Interferenzmuster im Doppelspaltexperiment, Beugung, Polarisation — und zugleich Teilchenverhalten: Der Photoeffekt (Einstein, 1905) belegt diskrete Energiequanten, die Compton-Streuung (1923) belegt diskreten Impulsübertrag, und einzelne Photonen lassen sich eines nach dem anderen registrieren. Der Widerspruch löst sich, sobald man akzeptiert, dass Licht durch ein Quantenfeld beschrieben wird, dessen Anregungen sich als wellenartige Quanten zeigen — weder klassische Welle noch klassisches Teilchen, sondern ein Drittes. Auch Teilchen zeigen Wellenverhalten. Die Elektronenbeugung (Davisson-Germer, 1927) bestätigte de Broglies Hypothese: Ein Elektron mit Impuls p trägt die Wellenlänge λ = h/p. Neutronenbeugung und Atom-Interferometrie weiteten den Befund auf schwerere Objekte aus; die Molekül-Interferometrie wies Quanteninterferenz erst an C₆₀-Buckminsterfullerenen nach (1999), dann an Molekülen von über 25.000 Dalton (2019) — an Objekten, millionenfach schwerer als ein Elektron. Auf die Spitze treibt es das Doppelspaltexperiment mit einzelnen Teilchen: Schickt man Elektronen eines nach dem anderen los, wächst über viele Durchläufe ein Interferenzmuster heran, obwohl jedes einzelne als punktförmiger Einschlag ankam. Jedes Teilchen interferiert mit sich selbst. Prüft man nach, welchen Spalt es genommen hat, ist das Muster verschwunden — das Teilchen ist jetzt lokalisiert. Der Akt der Messung verändert das Ergebnis. Die Deutungsschulen — Kopenhagener Deutung, Viele-Welten, Bohmsche Mechanik, QBism — machen allesamt dieselben Vorhersagen und streiten nur darüber, was dabei eigentlich geschieht. Die Mathematik dagegen ist gesichert: Quantensysteme werden durch Wellenfunktionen beschrieben, deren Entwicklung die Schrödingergleichung regelt; die Messung liefert probabilistische Ergebnisse — gemäß der bornschen Regel.

Warum jetztElektronenmikroskope setzen die Wellennatur des Elektrons in Bilder um und erreichen subatomare Auflösung — weit jenseits dessen, was ein Lichtmikroskop je leisten könnte. Die Röntgenkristallographie, der die Strukturen der DNA, des Hämoglobins und fast der gesamten Strukturbiologie zu verdanken sind, beugt Röntgenstrahlen an den Atomgittern von Kristallen. Quantencomputer rechnen mit der Superposition und der Interferenz von Qubit-Zuständen — Welle-Teilchen-Dualismus auf Ingenieurebene. Atomuhren — die Cäsiumuhren, über die die SI-Sekunde definiert ist — takten sich auf atomare Übergänge zwischen quantisierten Energieniveaus. Dass Quantenobjekte weder Wellen noch Teilchen sind, sondern ein Drittes mit Zügen von beidem, ist heute die stillschweigende Grundannahme aller Quantentechnologie.