Universelle Erzählstruktur & die Heldenreise
- Campbell's monomyth in The Hero with a Thousand Facesnoch nicht geprüft
- Call, threshold, ordeal, and return with the boonnoch nicht geprüft
- Propp, the Heroine's Journey, and the criticsnoch nicht geprüft
- Homer, haiku, and Brecht's competing formsnoch nicht geprüft
1949 legte Joseph Campbell, vergleichender Mythenforscher am Sarah Lawrence College, Der Heros in tausend Gestalten vor. Die zentrale These: Die Gründungsmythen Dutzender nicht miteinander verwandter Kulturen — griechische Heldenfahrten, Buddhas Erleuchtung, das Leben Christi, das Mahabharata, das Gilgamesch-Epos, indigene Initiationserzählungen — folgen ein und demselben Erzählmuster, das Campbell Monomythos oder Heldenreise taufte. Der Held erhält den Ruf des Abenteuers, überschreitet eine Schwelle in eine unbekannte Welt, besteht Prüfungen, durchlebt eine entscheidende Prüfung und kehrt verwandelt zurück — mit einer Gabe für die Gemeinschaft. Dass dieses Muster immer wiederkehrt, war für Campbell ein Fingerabdruck der menschlichen Psyche: jungsche Archetypen, die vorgeben, wie Menschen von Verwandlung erzählen.
Campbell stützte sich auf die indologischen Arbeiten seines Lehrers Heinrich Zimmer, auf Carl Jungs Archetypenlehre und auf eine breite Lektüre der Weltmythologie. Die strukturelle These selbst ist schlicht: Geschichten folgenreicher Verwandlung laufen — auch in Kulturen, die einander nie berührt haben — auf eine kleine Zahl von Mustern hinaus. Der Held beginnt in der gewöhnlichen Welt und hört einen Ruf — Frodos Einladung, Luke Skywalkers Begegnung mit den Droiden, Buddhas erster Anblick des Leidens —, den er oft zunächst ausschlägt, bis man ihn überredet; er tritt in eine besondere Welt über, findet Mentoren, Verbündete und Feinde, besteht eine entscheidende Prüfung, in der etwas verloren gehen oder geopfert werden muss, wird verwandelt und kehrt mit Wissen oder Kraft zurück, die der Gemeinschaft zugutekommen. Das Muster lässt sich in Der Herr der Ringe wiederfinden, in Star Wars — Lucas berief sich ausdrücklich auf Campbell —, in Matrix und Harry Potter. Christopher Voglers The Writer's Journey (1992), ein Disney-internes Memo, das zur Drehbuchbibel wurde, übersetzte Campbell in ein zwölfstufiges Hollywood-Schema. Eingewandt wurde viel. Kulturvergleichende Forschung hält Campbells Auswahl für verzerrt: Der Monomythos passt auf manche Traditionen weit besser als auf andere, viele indigene und ostasiatische Erzähltraditionen weichen erheblich ab. Feministische Kritik (Maureen Murdocks The Heroine's Journey, 1990) merkt an, dass im Zentrum des Schemas eine männliche Verwandlungsgeschichte steht. Die Erzähltheorie verweist darauf, dass Wladimir Propps Morphologie des Märchens (1928) älter ist als Campbells Buch — und die strengere Analyse liefert. Was alle Einwände übersteht, ist die Kernbeobachtung: Erzählstruktur ist nicht beliebig. Warum, fragt inzwischen die kognitive Erzählforschung: Welche Eigenschaften des menschlichen Geistes lassen diese Muster greifen — und warum bleiben Geschichten, die ihnen folgen, so viel besser im Gedächtnis und werden so viel bereitwilliger weitererzählt?