Tragik der Allmende
- Hardin's pasture and the inevitable over-usenoch nicht geprüft
- Ostrom's design principles for self-governed commonsnoch nicht geprüft
- Where Hardin still holds: atmosphere and open oceannoch nicht geprüft
Garrett Hardins Aufsatz The Tragedy of the Commons (Science, 1968) argumentierte am Beispiel einer englischen Dorfweide, dass eine Allmende-Ressource (im Konsum rivalisierend, nicht-ausschließbar) zur Übernutzung verurteilt sei: jeder Hirte erntet den vollen Vorteil einer weiteren Kuh, die Kosten der Überweidung teilen aber alle — und die Weide bricht zusammen. Hardins Schluss war hart: Privatisierung oder zentrale Regulierung, keinen dritten Weg gebe es. Die empirische Gegenrede kam von Elinor Ostrom; in Governing the Commons (1990) belegte sie, dass Gemeinschaften Allmende-Ressourcen sehr wohl ohne beides nachhaltig verwalten — wofür sie 2009 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, als erste Frau überhaupt.
Als strenge logische These über anonyme, atomisierte, nicht kommunizierende Nutzer ohne jeden Durchsetzungsmechanismus ist Hardins Argument korrekt — im Kern ein iteriertes Gefangenendilemma —, die empirische Frage ist allein, ob diese Annahmen je zutreffen. Ostroms Befund lautet: in vielen realen Allmenden tun sie es nicht. Gemeinschaften sind nicht anonym, Überwachung und Sanktionen gibt es, wer wieviel entnommen hat ist beobachtbar. Daraus leitete Ostrom acht Design-Prinzipien ab — klar abgesteckte Grenzen, lokal passende Regeln, kollektive Entscheidungsverfahren, Monitoring, abgestufte Sanktionen, Konfliktschlichtung, Anerkennung durch externe Behörden, verschachtelte Strukturen für größere Systeme. Die Belege sind eindrücklich: die Maine lobster fishery (die örtlichen harbour gangs verteilen Reviere informell oberhalb staatlicher Schutzregeln — Größenbeschränkungen, die V-notch-Regel zum Schutz des Laichbestands, Reusenlimits — und sind seit über einem Jahrhundert stabil), die schweizerischen Alpweiden, die japanischen Dorfwälder (Iriaichi), die spanische huerta-Bewässerung (das Wassergericht von Valencia, ununterbrochen seit dem zehnten Jahrhundert), die türkischen Küstenfischereien — alles Fälle der Ostrom-Lösung. Die Korrektur ist deshalb wichtig, weil Hardins Rahmung zu Privatisierungs- und Zentralisierungsprogrammen geführt hat, die funktionierende Allmende-Verwaltungen reihenweise zerstört haben — koloniale Einhegung afrikanischer und asiatischer Allmenden, sowjetische Kollektivierung, Druck der Weltbank auf Fischerei-Privatisierung dort, wo lokale Verwaltung lief. Wo Hardin weiter gilt: ist die Ressource wirklich anonym und großräumig (die globale Atmosphäre, das offene Meer, Internet-Bandbreite vor jeder Koordination), greifen Ostroms Prinzipien nicht ohne weiteres. Die Klimakooperation hat Hardin-Format, und der Ratchet-Mechanismus des Pariser Klimaabkommens ist ein bewusster Versuch, verschachtelte Governance auf einer Skala anzuwenden, an der Ostrom selbst gezweifelt hat.