Die Royal Society
Im November 1660 blieben nach einem Vortrag des jungen Astronomen Christopher Wren am Gresham College in London zwölf Männer zusammen und beschlossen, eine Gesellschaft zur experimentellen Erforschung der Natur zu gründen; 1662 kam die königliche Charta. Ihr Wahlspruch: Nullius in verba, „niemandem aufs Wort glauben“. Ihr Verfahren: jede Aussage über die physische Welt einer wiederholbaren Vorführung vor Zeugen auszusetzen. Kein Prophet, keine antike Autorität, keine Kirche entschied noch eine Frage, die sich mit der Apparatur im Raum beantworten ließ. An keiner anderen Einrichtung lässt sich so gut ablesen, wie moderne Wissenschaft in den Routinebetrieb kam: Die Royal Society machte aus einer privaten Tugend ein öffentliches Verfahren.
Neu war nicht die experimentelle Methode selbst — kodifiziert hatte sie Bacon, geübt Galilei. Neu war die Maschinerie der verteilten Überprüfung. Die frühen Mitglieder waren der arbeitende Kern der Wissenschaftlichen Revolution: Robert Boyle, dessen Versuche mit der Luftpumpe den Maßstab des kontrollierten Experiments setzten, dazu Wren als Architekt und Astronom und der Universalgelehrte Robert Hooke. Mit den Philosophical Transactions entstand 1665 die älteste durchgehend erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift der Welt — ein Ort, an dem Ergebnisse mitgeteilt, nachgeprüft, kritisiert und von einer internationalen Gemeinschaft weitergeführt wurden, statt als Betriebsgeheimnis zu verschwinden. Erst das machte Wissenschaft kumulativ, wie es keine Wissenstradition vor ihr gewesen war. Der erste Sekretär, Henry Oldenburg, war die Schaltstelle in Person: Er stand mit Naturphilosophen von Lissabon bis Moskau in Briefwechsel und spann daraus ein Forschungsnetz über den Kontinent; er datierte eingehende Arbeiten, um Prioritäten festzuhalten, und gab sie sachkundigen Lesern weiter — der Vorfahr des Peer Review. Robert Hooke versah das Amt des Kurators der Experimente und war vertraglich verpflichtet, zu jeder Sitzung drei oder vier neue Vorführungen vor Publikum zu bieten; so lernte ein misstrauisches Publikum, dem zu trauen, was sich zeigen ließ, und seine Micrographia (1665) mit dem riesigen gestochenen Floh machte die Wissenschaft der Instrumente zur Sensation. Auch auf eine schlichte, bezeugte Prosa drang die Gesellschaft — Thomas Sprats Geschichte von 1667 hielt die Mitglieder an, allen rhetorischen Zierrat abzulegen, damit ein Bericht als Tatsachenprotokoll taugte. Newtons Principia (1687) erschien unter dem Imprimatur der Gesellschaft, betreut und teils bezahlt von Edmond Halley, weil sie selbst kein Geld dafür hatte; Isaac Newton stand ihr von 1703 bis zu seinem Tod als Präsident vor.