Das Zeitalter der Tonaufnahme
- Edison's cylinder and the acoustic eranoch nicht geprüft
- The microphone and electric recordingnoch nicht geprüft
- Magnetic tape: editing as compositionnoch nicht geprüft
- From LP to streaming as the default encounternoch nicht geprüft
An einem Wintertag im Jahr 1877 rief Thomas Edison in Menlo Park Mary had a little lamb in einen Trichter, und die Schwingungen kratzten die Worte in ein Stück Stanniol, das um eine drehende Walze gewickelt war. Die Wiedergabe war roh und das Stanniol zerbröselte nach wenigen Umdrehungen, doch etwas Beispielloses war geschehen: Zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte war eine bestimmte Aufführung vom Augenblick ihres Entstehens losgelöst worden und ließ sich wieder hören, andernorts, später. Binnen siebzig Jahren sollte Musik aus einem flüchtigen, einmaligen Ereignis in einen dauerhaften Gegenstand verwandelt werden, den man besitzen, verschicken und schließlich neu bauen konnte — eine der größten Umwälzungen in der Geschichte dessen, wie Menschen einer Kunst je begegnet sind.
Die sieben Jahrzehnte von der Stanniolfolie bis zur LP durchlaufen drei Stufen, und jede vertieft, was eine Aufnahme sein kann. Die erste war schlicht das Aufnehmen. Die frühe Aufnahme war rein mechanisch — ein Trichter bündelte den Schall auf eine Nadel, die die Rille unmittelbar einschnitt —, sodass sie eine laute Stimme oder eine Blaskapelle einfangen konnte, Streicher und Klavier aber ertränkte und nur zwei, drei Minuten je Seite fasste. Sie veränderte die Welt dennoch: Emile Berliners flache Platte, weit leichter zu vervielfältigen als Edisons Walze, gewann den Markt, und Carusos Sitzungen von 1902 verkauften sich millionenfach und machten den aufgenommenen Sänger erstmals zum Weltstar. Die zweite Stufe war die Klangtreue. Als 1925 das Mikrofon den Trichter ablöste, weitete sich die Spanne des aufnehmbaren Klangs dramatisch — ein volles Orchester, leise Dynamik, das Schimmern hoher Obertöne kamen alle in Reichweite —, und die aufgenommene Musik hörte auf, ein geschrumpftes Andenken an eine Aufführung zu sein, und begann, ihr zu gleichen. Die dritte und umwälzendste Stufe war das Bearbeiten, und sie kam mit dem Magnetband gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Band ließ sich schneiden, spleißen, schichten und überspielen, sodass eine Aufnahme nicht länger eine einzige ungebrochene Darbietung dokumentieren musste: sie ließ sich zusammensetzen, korrigieren, aus Augenblicken bauen, die nie zugleich geschahen. Von da an hörte die Platte auf, eine Mitschrift zu sein, und wurde ein eigenständiges Medium (Konzept 290) — etwas, das ein Musiker komponiert, statt es bloß einzufangen. Im selben Jahr, 1948, kam die langspielende Vinylplatte, endlich lang genug für einen ganzen Sinfoniesatz. Aufnehmen, dann Klangtreue, dann Bearbeitbarkeit: ein steter Marsch vom Festhalten der Musik, wie sie geschah, zum Bauen von Musik, die nie geschah.