Die Opiumkriege
In den 1830er Jahren steckte die Britische Ostindien-Kompanie in der Klemme. Großbritannien wollte chinesischen Tee, chinesische Seide, chinesisches Porzellan. China unter den Qing wollte von britischer Ware fast nichts, ließ den Handel allein über den einen Hafen Kanton laufen und verlangte Bezahlung in Silber. Auf Dauer war dieser Silberabfluss nicht durchzuhalten. Der Ausweg der Kompanie: Opium in Indien anbauen und nach China einschmuggeln — die süchtig machende Droge gegen jenes Silber, mit dem sich der Tee bezahlen ließ. 1839 hatte China Millionen Abhängige, eine ausblutende Staatskasse und einen konfuzianisch geprägten Staat, der dem Geschäft ein Ende setzen wollte: Der Sonderbeauftragte Lin Zexu ließ in Kanton rund 1200 Tonnen Opium beschlagnahmen und vernichten. Großbritannien zog in den Krieg, um seinen Drogenhandel zu verteidigen.
Den Ersten Opiumkrieg (1839–1842) gewann Großbritannien ohne Mühe. Die chinesischen Küstenforts und Kriegsdschunken hatten den dampfgetriebenen Kanonenbooten der Royal Navy nichts entgegenzusetzen, allen voran der Nemesis mit ihrem eisernen Rumpf, die gegen Wind und Strömung flussaufwärts fuhr, den Kaiserkanal erreichte und damit Pekings Getreidezufuhr abschnürte. Der Vertrag von Nanjing zwang China, fünf Vertragshäfen für den britischen Handel zu öffnen, 21 Millionen Silberdollar Entschädigung zu zahlen, Hongkong abzutreten und die eigenen Zölle vertraglich zu binden; der Zusatzvertrag ein Jahr darauf brachte die Exterritorialität: Briten in China standen vor britischen, nicht vor chinesischen Gerichten. Der Zweite Opiumkrieg (1856–1860), an dem sich Frankreich beteiligte, dehnte diese ungleichen Verträge aus, öffnete weitere Häfen, legalisierte den Opiumhandel ausdrücklich, erzwang ständige Gesandtschaften in Peking — und setzte mit der Niederbrennung des Alten Sommerpalasts durch britische und französische Truppen das Ausrufezeichen. Die Verträge wurden zur Vorlage, die sich die Vereinigten Staaten, Russland und später Japan der Reihe nach ebenfalls erzwangen. Die Epoche, die damit begann, nennt China das Jahrhundert der Demütigung: rund hundert Jahre, in denen die größte und älteste Zivilisation der Welt ihre eigene Unterordnung unterschreiben musste, gegen das aufsteigende Japan Kriege verlor, Gebiete und Eisenbahnkonzessionen abgab, in Einflusssphären zerteilt wurde und zusah, wie ihr politisches Gefüge unter dem angesammelten Druck zerfiel — über die Taiping-Katastrophe und den Boxer-Aufstand, bis 1911 die Qing-Dynastie zu Ende war. Die Kommunisten, die 1949 an die Macht kamen, erklärten ihre Revolution ausdrücklich zur Beendigung des Jahrhunderts der Demütigung.