Der Roman
- Cervantes to the Anglophone classicsnoch nicht geprüft
- The 19th-century realist peaknoch nicht geprüft
- Modernist and global expansionnoch nicht geprüft
- Playwrights at the novel's edgenoch nicht geprüft
Der Roman — lange Prosa, die einzelne Leben durch eine wiedererkennbare Gesellschaft verfolgt — ist in seiner modernen Gestalt eine auffallend junge Erfindung. Als erster gilt üblicherweise Don Quijote (Cervantes, 1605/1615); Robinson Crusoe (Defoe, 1719) und Pamela (Richardson, 1740) sind frühe englische Muster; die reife Blütezeit der Gattung reicht von Austens Stolz und Vorurteil (1813) über Tolstois Krieg und Frieden (1869) und Anna Karenina (1878), Dostojewskis Schuld und Sühne (1866) und Die Brüder Karamasow (1880), Eliots Middlemarch (1871), Flauberts Madame Bovary (1856) und Joyces Ulysses (1922) bis zu Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1913–27). In vier Jahrhunderten wuchs die Form aus dem Nichts zur beherrschenden literarischen Gattung der Moderne — und wurde dazu, woran gebildete Leser lernten, sich fremde Köpfe vorzustellen.
Vom älteren Langformat — Ritterroman, Epos, Chronik, Heiligenlegende — trennt den Roman weniger die Länge als sein Umgang mit dem Bewusstsein. Die entscheidende technische Erfindung, bei Austen angelegt und von Flaubert zur Meisterschaft gebracht, ist die erlebte Rede: Die Erzählstimme rutscht ohne ausdrückliche Kennzeichnung in den Kopf einer Figur und wieder heraus, sodass man eine Perspektive einen Absatz lang bewohnt und dann von außen darauf sieht. Beim längeren Lesen wird die weiterreichende Behauptung greifbar — der Roman ist eine Technik, Bewusstsein von innen zu zeigen, samt der Vorgeschichte, den blinden Flecken und dem lückenhaften Wissen, die einen bestimmten Menschen zu diesem bestimmten machen, und zwar so lange am Stück, dass die Theory-of-Mind-Maschinerie des Lesers ausdauernd beschäftigt ist. Die Kognitionswissenschaft hat Hinweise darauf gefunden, dass etwas davon übergreift: Wer viel literarische Prosa liest, schneidet in Theory-of-Mind-Aufgaben ein wenig besser ab — ein kleiner, aber echter Effekt.
Ian Watt band in The Rise of the Novel das Aufkommen der Form im achtzehnten Jahrhundert an eine bestimmte gesellschaftliche Konstellation: wachsende Lesefähigkeit, billigerer Druck, ein Bürgertum mit freier Zeit und einem Interesse an der eigenen Innerlichkeit, dazu die protestantische Aufmerksamkeit für das persönliche Gewissen. Spätere Darstellungen streiten über Einzelheiten, nicht über den Bau. Michail Bachtin ergänzte den Befund und bestimmte den Roman als Gattung der Polyphonie: viele Stimmen und gesellschaftliche Standorte, die innerhalb eines Werks aufeinanderprallen, im Gegensatz zur einen Stimme des Epos. Die Untergattungen — Bildungsroman, historischer Roman, Realismus, Moderne, Postmoderne — betonen je eine Fähigkeit; die Erfindung darunter ist immer dieselbe: eine lange, vielstimmige Darstellung von Bewusstsein in einem wiedererkennbaren gesellschaftlichen Raum.