Babur, ein Nachkomme zugleich Dschingis Khans und Timurs, fiel 1526 mit einem Heer von vielleicht 12.000 Mann und einem kleinen Artillerietross in Nordindien ein und zerschlug in der Ersten Schlacht von Panipat mit Feldgeschützen und disziplinierter Reiterei das weit größere Heer des Sultans von Delhi. Die von ihm begründete Dynastie — die Moguln — regierte in den folgenden zwei Jahrhunderten den größten Teil des indischen Subkontinents und herrschte über das, was auf seinem Höhepunkt um 1700 die größte Volkswirtschaft der Welt war (etwa ein Viertel des globalen BIP) — das reichste Reich der Erde, das mit Baumwollstoffen die halbe Alte Welt kleidete.
Die Moguln sind der klassische Fall einer fremden muslimischen Dynastie, die eine hinduistische Mehrheit regiert — und das, in ihren besten Phasen, weitgehend durch strategisches Entgegenkommen statt durch Zwang. Akbar (reg. 1556–1605), der dritte Herrscher und wohl folgenreichste, schaffte die Dschizya-Steuer für Nichtmuslime ab, heiratete Radschputenprinzessinnen und nahm deren Verwandte in den Hochadel auf und schuf ein leistungsbezogenes Verwaltungssystem — die Mansabdari-Rangordnung der Amtsträger, besoldet aus zugewiesenen Bodeneinkünften —, das eine vielgestaltige Elite an den Thron band. Er ließ in seinem Haus der Anbetung interreligiöse Streitgespräche zwischen Muslimen, Hindus, Jains, Christen und Zoroastriern abhalten und versuchte, mit dem Göttlichen Glauben (Din-i-Ilahi) eine ökumenische, auf den Kaiser zentrierte Religion zu stiften. Seine Nachfolger errichteten das Tadsch Mahal — Schah Jahans Grabmal für Mumtaz Mahal —, das Rote Fort und eine persianische Hofkultur, in der persische, türkische und indische Elemente zu etwas verschmolzen, das weder rein persisch noch rein indisch war, darunter die Sprache Urdu selbst. Der Niedergang begann unter Aurangzeb (reg. 1658–1707), der die Dschizya wieder einführte, Akbars tolerante Politik widerrief und das Reich in jahrzehntelangen ruinösen Dekkan-Kriegen gegen den aufsteigenden hinduistischen Bund der Marathen bis zu seiner größten Ausdehnung trieb — Kriege, die die Staatskasse ruinierten, das Heer zermürbten und das Reich politisch zerklüftet hinterließen. Nach seinem Tod erkämpften sich Provinzgouverneure und die Marathen faktische Unabhängigkeit; der persische Eroberer Nader Schah plünderte 1739 Delhi und führte den Pfauenthron fort. Als die britische Ostindien-Kompanie 1757 bei Plassey siegte, war der Mogulkaiser nur noch eine Galionsfigur in einem Delhi, das andere beherrschten.
Die hindunationalistische Strömung der gegenwärtigen indischen Politik hat ein gespanntes Verhältnis zum Mogul-Erbe — sie benennt Städte und Straßen der Mogulzeit um, kürzt die Dynastie aus den Schulbüchern, behandelt sie mal als Fremdherrschaft, erkennt mal die einheimische Synthese an, die daraus hervorgegangen ist. Das Tadsch Mahal, das Sinnbild Indiens auf den meisten Postkarten und Touristenvisa, ist ein Mogul-Bauwerk. Der Streit darüber, wie an die Moguln zu erinnern sei, ist zugleich ein Streit darüber, was für ein Land das moderne Indien sein darf.