Das Leib-Seele-Problem
- Descartes's two substances: res cogitans and res extensanoch nicht geprüft
- Monism and the physicalist positionsnoch nicht geprüft
- The explanatory gap and the Hard Problemnoch nicht geprüft
- The 1641 Meditations and the cogitonoch nicht geprüft
1641 erschienen die Meditationen über die Erste Philosophie von René Descartes — Philosoph, Mathematiker, zeitweise Soldat —, und darin eine metaphysische Position, so einprägsam, dass sich die heutige Debatte noch immer an ihr abarbeitet: der Substanzdualismus. Geist (res cogitans, denkende Substanz) und Körper (res extensa, ausgedehnte Substanz) sind zweierlei Stoff von Grund auf — der Geist ohne räumliche Ausdehnung, der Körper ohne Bewusstsein —, sie wirken aufeinander ein (die Berührungsstelle verlegte Descartes in die Zirbeldrüse), bleiben aber kategorial getrennt. Haltbar ist das heute nicht mehr; drei Jahrhunderte Hirnforschung haben den Substanzdualismus abgeräumt. Das Problem darunter aber steht: Die Erklärungslücke zwischen physischem Vorgang und subjektivem Erleben ist das zentrale Rätsel der Philosophie des Geistes geblieben, und auf eine befriedigende Alternative hat sich die Debatte bis heute nicht geeinigt.
Das Leib-Seele-Problem bündelt die Fragen danach, wie sich mentale Phänomene — Gedanken, Wahrnehmungen, Gefühle, Absichten, bewusstes Erleben — zu physischen verhalten: zu neuronalem Feuern, zu Biochemie, zu elektromagnetischen Feldern. Grob sechs Positionen stehen heute im Feld. Der Physikalismus setzt mentale Zustände mit physischen gleich, in mehreren Abstufungen: die Typen-Identitätstheorie (Schmerz ist das Feuern von C-Fasern — geschwächt durch die multiple Realisierbarkeit, denn beim Kraken läuft Schmerz ohne C-Fasern), die Token-Identitätstheorie und der Funktionalismus, der mentale Zustände über ihre kausale Rolle bestimmt statt über das Material, aus dem sie bestehen; auf ihm ruht die Frage nach dem Geist der Maschine, und er beherrscht die akademische Philosophie seit der Jahrhundertmitte. Den Eigenschaftsdualismus — eine Sorte Stoff, zwei Sorten Eigenschaften — verteidigte Chalmers 1995 in seinem Aufsatz zum schweren Problem. Der eliminative Materialismus (Paul und Patricia Churchland) hält alltagspsychologische Ausdrücke wie Überzeugung und Wunsch für Bezeichnungen ohne Gegenstand, die die Hirnforschung ersetzen wird. Der Panpsychismus (Galen Strawson, Philip Goff, der späte Chalmers) nimmt bestimmte mentale Eigenschaften als fundamental und überall vorhanden an: Die physische Wirklichkeit habe eine innere, phänomenale Seite, an der die Physik vorbeigesehen hat. Der Mysterianismus (Colin McGinn) hält den menschlichen Erkenntnisapparat von Haus aus für außerstande, die Lösung überhaupt zu fassen. Der Idealismus schließlich lässt nur Geistiges als fundamental gelten — bei Berkeley und Hegel einst herrschend, heute selten. Die empirische Evidenz engt die Debatte eher ein, als dass sie sie entschiede: Hirnschäden verändern das Seelenleben, psychoaktive Substanzen verändern das Bewusstsein, Split-Brain-Patienten zeigen nach der Trennung der Hemisphären teilweise getrennte Bewusstseinsströme, Narkosemittel heben Bewusstsein umkehrbar auf. Das schwere Problem des Bewusstseins (Chalmers, 1995) ist der heutige Nachfahre von Descartes' Rätsel: Auch wenn sämtliche leichten Probleme erklärt sind — warum gibt es überhaupt ein Wie-es-ist, bewusst zu erleben?