Der Koreakrieg
Am 25. Juni 1950 rollten nordkoreanische Panzer über den 38. Breitengrad und hatten binnen sechs Wochen fast die ganze Halbinsel genommen; die Verteidiger hingen im Pusan-Perimeter fest. Die Sowjetunion boykottierte gerade den Sicherheitsrat und konnte deshalb kein Veto einlegen — die USA führten also eine UN-Koalition, setzten auf MacArthurs Landung aus der See bei Incheon, drehten die Front und stießen bis fast an den Yalu an der chinesischen Grenze vor. Nun griff China mit Hunderttausenden „Freiwilligen“ ein, drückte die UN-Truppen wieder südlich von Seoul, und der Krieg erstarrte für zwei weitere Jahre zum Abnutzungskrieg entlang der alten Linie. Der Waffenstillstand von 1953 — kein Friedensvertrag — fror die Halbinsel ungefähr dort ein, wo sie angefangen hatte. Etwa drei Millionen Menschen kamen um. Siebzig Jahre später herrscht zwischen beiden Koreas formal immer noch Krieg.
Korea war der erste heiße Krieg des kalten, und er goss die Formen, die der Kalte Krieg danach ausfüllte. Er machte klar, dass die sowjetisch-amerikanische Auseinandersetzung über Stellvertreter und begrenzte Schauplätze laufen würde statt über direkte Schlachten; dass die USA der kommunistischen Ausdehnung auch an einem Ort entgegentreten würden, der außerhalb ihres angekündigten Verteidigungsraums zu liegen schien — Außenminister Achesons Rede von 1950 erweckte diesen Eindruck, schloss eine Reaktion aber nicht aus; und dass das Risiko einer nuklearen Eskalation eine Obergrenze zog, über die konventionelle Streitkräfte nicht hinausdurften. Truman entließ MacArthur 1951, weil dieser öffentlich verlangte, den Deckel zu heben, und setzte damit zugleich den Vorrang der zivilen Führung durch. Der Krieg militarisierte auch die Eindämmung selbst: Er verdreifachte den amerikanischen Wehretat, härtete die Doktrin des NSC-68, machte aus der NATO, bis dahin ein Pakt auf Papier, eine stehende Armee und verstetigte das weltweite Netz amerikanischer Stützpunkte. Aus ihm gingen über die folgenden Jahrzehnte zwei Extreme hervor: im Süden das Wirtschaftswunder Koreas — autoritär gelenkte, auf Export gebaute Industrialisierung unter Park Chung-hee, die aus einer armen Agrargesellschaft eine Industriemacht machte —, im Norden der langlebigste Totalitarismus der Welt, eine erbliche Kim-Dynastie, versiegelt durch Hunger und Überwachung. Heute bieten die beiden Koreas einen scharfen, beinahe natürlichen Vergleich: ein Volk und eine Sprache, aber keine gleichen Ausgangsökonomien — der Norden erbte mehr Schwerindustrie —, danach gegensätzliche Institutionen und, nach Schätzungen aus der Mitte der 2020er Jahre, ein Abstand von etwa dem Dreißig- bis Vierzigfachen bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf. Die eingefrorene Linie hielt zudem die vorgeschobene Stationierung zehntausender amerikanischer Soldaten fest, die die pazifische Sicherheitsordnung sieben Jahrzehnte später noch trägt.