Von etwa 750 bis 1258 n. Chr., als das lateinische Europa den Großteil seiner eigenen klassischen Vergangenheit nicht mehr lesen konnte, lag das Zentrum weltweiter Gelehrsamkeit in der islamischen Welt. Das von den abbasidischen Kalifen al-Mansur, Harun ar-Raschid und al-Ma'mun geförderte Haus der Weisheit in Bagdad betrieb eine anhaltende, staatlich finanzierte Übersetzungsbewegung, die griechische, persische, indische und syrische Texte ins Arabische übertrug — und dann auf ihnen aufbaute. Die kalifale Bibliothek von Córdoba soll 400.000 Bände gehabt haben, als die größte christliche Bibliothek Europas auf etwa 600 kam, und die Stadt hatte gepflasterte, beleuchtete Straßen, während Paris im Schlamm versank. Kairo, Damaskus, Buchara und Samarkand waren je auf ihrem Höhepunkt geistige Hauptstädte, die Gelehrte über drei Kontinente hinweg anzogen.
Die Errungenschaften der islamischen Blütezeit werden im Westen oft aufgezählt und ebenso oft wieder vergessen. Die Algebra — das Wort ist arabisch, al-dschabr, „das Zusammenfügen gebrochener Teile" — systematisierte um 820 al-Chwarizmi am Hof al-Ma'muns, dessen latinisierter Name uns das Wort Algorithmus schenkte. Das dezimale Stellenwertsystem mit seinen aus Indien stammenden Ziffern und der entscheidenden Null gelangte über arabische Mathematiker nach Europa — weshalb wir es arabische Ziffern nennen. Die Optik stellte Ibn al-Haitham im Kairo des 11. Jahrhunderts auf eine experimentelle Grundlage, sechshundert Jahre vor Newton, mit kontrollierten Versuchen zu Licht, Linsen und Camera obscura und der Forderung, eine Behauptung müsse geprüft und nicht bloß erschlossen werden. Medizin: Avicennas Kanon, um 1025 verfasst, blieb bis ins 17. Jahrhundert das medizinische Standardlehrbuch an europäischen Universitäten; ar-Razi hatte schon ein Jahrhundert zuvor die Pocken von den Masern unterschieden. Philosophie: Averroes' Aristoteleskommentare waren unter den Scholastikern so einflussreich, dass die Zeitgenossen des Aquinaten ihn schlicht den Kommentator nannten. Das Astrolabium, Grundlage der Renaissance-Navigation, war eine arabische Verfeinerung; die Wörter Zenit, Nadir, Algebra und Alchemie sind allesamt arabische Lehnwörter, ebenso Zucker, Baumwolle und Scheck. Das meiste, was die europäische Renaissance erst möglich machte, war Material, das die Araber bewahrt, übersetzt, erweitert und dann über die Übersetzerschulen von Toledo und das normannische Sizilien im 12. Jahrhundert nach Westen weitergereicht hatten — oft durch jüdische Vermittler, die in beiden Welten zu Hause waren. Das Ende kam mit der mongolischen Plünderung Bagdads 1258, als die Bibliotheken den Tigris angeblich von Tinte schwarz färbten.
Das westliche Narrativ einer ungebrochenen Linie von Athen über Florenz zur Royal Society schreibt die Araber systematisch aus der Geschichte heraus und springt von den Griechen direkt zu den Italienern, als läge nichts dazwischen. Die Wiederaneignung dieser Geschichte im 21. Jahrhundert — in der Forschung, in Museumsausstellungen und im umstrittenen Selbstverständnis der arabischen Welt — ist eine Korrektur mit Folgen dafür, wie die globale Geschichte der Wissenschaft erzählt wird und wem dabei Anerkennung gebührt. Sie erschwert auch jede einfache Behauptung, der wissenschaftliche Fortschritt sei Eigentum einer einzigen Zivilisation und nicht ein Staffellauf zwischen vielen.