IWF und Weltbank
Die beiden Institutionen, die 1944 in Bretton Woods entworfen wurden — in einem Ferienhotel in New Hampshire, mit John Maynard Keynes und Harry Dexter White als Hauptarchitekten —, teilten die wirtschaftliche Aufgabe der Nachkriegszeit in zwei Hälften. Der Internationale Währungsfonds sollte kurzfristige Zahlungsbilanzkrisen auffangen, als Kreditgeber letzter Instanz für Staaten, denen die Devisen für Einfuhren oder den Schuldendienst ausgingen. Die Weltbank, ursprünglich Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, sollte langfristige Entwicklungsprojekte finanzieren — zuerst den Wiederaufbau Europas, später die Armutsbekämpfung im Globalen Süden. Acht Jahrzehnte später, lange nachdem 1971 das feste Wechselkurssystem zusammenbrach, über das sie hatten wachen sollen, sind beide deutlich größer und deutlich umstrittener — und arbeiten in einem Finanzsystem, das ihre Architekten kaum wiedererkennen würden.
Die politische Ökonomie von IWF und Weltbank gehört zu den strittigsten Zügen der Nachkriegs-Wirtschaftsordnung. Beide sind durch gewichtete Stimmen regiert: Die Vereinigten Staaten halten mit rund 17 Prozent faktisch ein Veto, weil wichtige Entscheidungen 85 Prozent brauchen; die europäischen Staaten bilden einen großen Block; und der Globale Süden hat durchweg unverhältnismäßig wenig Stimme — herkömmlich führt immer ein Europäer den IWF und ein Amerikaner die Weltbank. Die Strukturanpassungsprogramme des IWF in den 1980er- und 1990er-Jahren — Sparkurs, Privatisierung, Öffnung des Kapitalverkehrs, Deregulierung, das Paket, das später Washingtoner Konsens hieß — wurden in Lateinamerika und Afrika politisch giftig: Man verband sie mit tiefen Rezessionen, sozialen Verwerfungen, den IWF-Unruhen jener Jahre und, so legt die Forschung nahe, mit schlechteren Ergebnissen, als die Lehrmeinung erwartet hatte. Die Asienkrise von 1997 wurde zum Streitfall über diese Rezepte. Indonesien und Thailand stürzten tiefer ab als Malaysia, das Kapitalverkehrskontrollen verhängte; doch Unterschiede bei Schulden, Institutionen, Zeitpunkt und Wirtschaftspolitik verbieten das saubere Urteil, allein die IWF-Programme hätten den Abstand verursacht. Die asiatischen Staaten, die aus der Krise kamen, bauten gezielt enorme Devisenreserven auf, um den IWF nie wieder zu brauchen — eine strukturelle Verschiebung, die die weltweiten Kapitalströme und Sparüberschüsse bis heute prägt. Die Bilanz der Weltbank fällt gemischter aus: Manche Projekte holten Millionen aus der Armut, viele erzeugten Korruption und Infrastruktur, von der Eliten mehr hatten als die Armen. Beide Häuser haben sich seit 2000 erheblich reformiert; Regierungen und Ökonomen des Globalen Südens fordern dennoch mehr Mitsprache.