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Geist & Gehirn

Das schwere Problem des Bewusstseins

Selbst mit jedem kartierten neuronalen Korrelat: Warum gibt es überhaupt etwas, wie es ist, zu sein?

Im Jahr 1995 veröffentlichte der Philosoph David Chalmers Facing Up to the Problem of Consciousness und trennte das, was er die leichten Probleme des Bewusstseins nannte (kognitive Funktionen erklären: Diskrimination, Berichtbarkeit, Aufmerksamkeit, der Unterschied zwischen Wachen und Schlafen), vom schweren Problem: warum gibt es überhaupt ein Wie-es-ist, ein bewusstes Erleben zu haben? Die leichten Probleme sind in keinem absoluten Sinne leicht — sie tragen ungeheure neurowissenschaftliche und rechnerische Komplexität —, aber im Prinzip leicht: sie werden den üblichen Methoden der Kognitionswissenschaft mit genug Zeit und Daten weichen. Das schwere Problem ist kategorial anders: selbst wenn jedes neuronale Korrelat jedes Bewusstseinszustands identifiziert ist, bleibt unerklärt, warum die neuronale Aktivität von subjektivem Erleben begleitet wird statt von gar nichts. Der Aufsatz ist zehntausendfach zitiert, und gelöst ist das Problem bis heute nicht.

Das Bewusstsein — die phänomenale Eigenschaft, dass es etwas ist, wie es ist, einen mentalen Zustand zu durchleben, das, was Philosophen seit Thomas Nagel (1974, What Is It Like to Be a Bat?) Qualia nennen — ist die letzte Domäne menschlicher Kognition, für die noch keine befriedigende wissenschaftliche Erklärung existiert. Das schwere Problem trennt drei Aspekte bewusster Zustände: das Zugriffsbewusstsein (die Information steht für Schlussfolgern, Bericht, Verhaltenssteuerung zur Verfügung), das Selbstbewusstsein (ein Modell des Ichs ist eingeschaltet) und das phänomenale Bewusstsein (es ist etwas, diesen Zustand zu durchleben) — die ersten beiden sind leichte Probleme, das dritte ist das schwere. Die wichtigsten Positionen sortieren sich so: der Typ-A-Materialismus (Dennett, Consciousness Explained, 1991) hält das schwere Problem für eine Illusion; der Typ-B-Materialismus setzt phänomenales Bewusstsein mit physischen Zuständen gleich, betrachtet die Identität aber als brute fact, nicht a priori herleitbar; der Eigenschaftsdualismus (Chalmers' Sicht von 1995) hält phänomenale Eigenschaften für nichtphysische Eigenschaften physischer Systeme; der Panpsychismus (Chalmers, Strawson, Goff) hält phänomenales Bewusstsein für fundamental und überall vorhanden. Andere Rahmen liefern empirische Traktion: Theorien höherer Ordnung (Rosenthal, Carruthers) machen einen Zustand genau dann bewusst, wenn eine Repräsentation höherer Ordnung von ihm besteht; die Globale-Arbeitsraum-Theorie (Baars, Dehaene) bietet ein gut gestütztes neuronales Korrelat des Zugriffsbewusstseins; die Integrierte-Informations-Theorie (IIT, Tononi ab 2004) quantifiziert Bewusstsein als φ (Phi); die prädiktive Verarbeitung (Friston, Clark) führt Bewusstsein auf die hierarchische Vorhersagecodierung des Gehirns zurück. Beachtlicher empirischer Fortschritt liegt bei den neuronalen Korrelaten des Bewusstseins vor — die posteriore „heiße Zone“ des Cortex, thalamokortikale Schleifen, Gamma-Oszillationen, die Zündung des globalen Arbeitsraums —, und Bewusstseinsstörungen werden mit fMRT auf Restwahrnehmung untersucht; nichts davon schlägt eine Brücke zum schweren Problem: man weiß, welche neuronalen Zustände Bewusstsein begleiten, nicht aber, warum.

Warum es jetzt zählt

Das schwere Problem hält stand. Die philosophischen Positionen haben sich verhärtet, ohne aufeinander zuzulaufen — Konsens besteht, dass das Problem real ist (gegen Typ-A), nicht aber, welche Alternative trägt; jüngere Beiträge stammen von Annaka Harris (Conscious, 2019), Philip Goff (Galileo's Error, 2019, eine Verteidigung des Panpsychismus) und Anil Seth (Being You, 2021, ein Ansatz aus der prädiktiven Verarbeitung). Das KI-Bewusstsein stellt die Frage neu — haben große Sprachmodelle phänomenales Erleben? Die meisten Fachleute sagen nein, doch die Gründe für diese Sicherheit sind dünn. Ob das schwere Problem überhaupt lösbar ist, ist selbst umstritten — der Mysterianismus (Colin McGinn) hält den menschlichen Erkenntnisapparat für konstitutiv unfähig, die Lösung zu fassen. Die empirische Neurowissenschaft schreitet voran, die philosophische Lage hat sich seit drei Jahrzehnten nicht verändert, und ob dies eine vorübergehende oder dauerhafte Pattsituation ist, bleibt die offene Meta-Frage.

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