Die Französische Revolution
Am 14. Juli 1789 stürmte eine Pariser Menge eine alte Festung namens Bastille — sie suchte Schwarzpulver. Der Gouverneur wurde erschlagen, sein Kopf auf einer Pike durch die Straßen getragen, dann ging man zum Abendessen heim. In der Festung saßen sieben Gefangene: vier Fälscher, zwei Geisteskranke, dazu ein Adliger, den die eigene Familie hatte wegsperren lassen. Die Tat war symbolisch, und genau darauf kam es an — die steinernen Mauern des Königs gehörten nicht mehr selbstverständlich ihm. Wenige Monate später hatte die Nationalversammlung in einer einzigen Nacht den Feudalismus abgeschafft und die Menschen- und Bürgerrechte erklärt; bald stellte sie die Uhren auf das Jahr Eins, überzeugt, hier beginne eine neue Zeitrechnung der Menschheit, mit Zehntagewochen und einer Republik der Vernunft.
Was folgte, war ein Jahrzehnt des Pendelns zwischen Hoffnung und Grauen — die Schablone, an der seither jede Revolution gemessen wird. Der unmittelbare Anlass war fiskalisch: eine vom Krieg bankrotte Krone, die ihre privilegierten Stände nicht besteuern konnte und 1789 die Generalstände einberufen musste, zum ersten Mal seit 1614. Dort sagte sich der Dritte Stand los und erklärte sich selbst zur Nation. 1791 eine konstitutionelle Monarchie. 1792 Krieg gegen Österreich und Preußen, dazu die Republik. Im Januar 1793 die Hinrichtung Ludwigs XVI. Dann eine Schreckensherrschaft, in der die Revolution ihre eigenen Kinder fraß: rund 17.000 förmlich Guillotinierte, dazu Zehntausende weitere Tote, von Robespierre als „Despotismus der Freiheit“ gegen die inneren Feinde gerechtfertigt — bis er, der zuvor seine engsten Weggefährten Danton und Desmoulins unter die Klinge geschickt hatte, im Juli 1794 selbst hinaufstieg. Die Verfassung von 1795 schuf das Direktorium, beschränkte das Wahlrecht erneut und verteilte die Exekutive auf fünf Direktoren. Wahlkonflikte, Staatsstreiche, Krieg und die wachsende Abhängigkeit vom Militär schwächten das Regime, bis Bonaparte und seine Verbündeten es am 18. Brumaire 1799 stürzten. 1804 war aus der Republik ein Kaiserreich geworden, regiert von einem korsischen Artillerieoffizier, der dem Papst die Krone aus der Hand nahm und sie sich selbst aufsetzte. Fast jedes unmittelbare Ziel hatte die Revolution verfehlt. Doch die Ideen, die sie in die Welt gesetzt hatte — Bürger statt Untertan, Gleichheit vor dem Gesetz, Ende des ererbten Vorrechts, die Nation als sittliche Aufgabe, die Laufbahn offen für Begabung —, ließen sich nicht mehr einfangen; im Code Napoléon kodifiziert, gingen sie auf Bajonetten durch ganz Europa. Die wiedereingesetzten Monarchien sahen sich binnen einer Generation dazu genötigt, Untertanen zuzugestehen, was sie Bürgern nie zugestanden hätten.