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Geschichte & Geopolitik

Das Edikt von Nantes

Heinrichs IV. Toleranzedikt von 1598 beendete Frankreichs Religionskriege — und nahm Westfalen vorweg.

Im Jahrhundert nach Luthers Thesen prügelte sich Europa durch die Frage, welches Christentum das richtige sei. Der Deutsche Bauernkrieg. Die Hugenottenkriege (acht aufeinanderfolgende Bürgerkriege zwischen 1562 und 1598). Der Aufstand der Niederlande gegen Spanien. Der Dreißigjährige Krieg (1618–48), der vielleicht ein Drittel der deutschsprachigen Bevölkerung dahinraffte. Als sich in Westfalen der Pulverrauch verzog, war Europa — erschöpft, nicht philosophisch — zu dem Schluss gekommen, dass unter einer anderen Konfession als der des eigenen Fürsten zu leben der Auslöschung allemal vorzuziehen sei.

Die Religionskriege sind der klassische Beleg für die These, dass die moderne liberale Toleranz gegenüber religiöser Verschiedenheit eine politische Lösung für ein militärisches Problem ist, keine ethische Errungenschaft. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ließ sich keine größere europäische Macht je wieder auf einen umfassenden Krieg aus konfessionellen Gründen ein; die Kosten waren allzu offenkundig nicht zu tragen. Duldung trat zunächst auf als pragmatische gegenseitige Anerkennung zwischen katholischen und protestantischen Fürsten und erst später, langsam, als positiver Wert, den man auch auf Andersdenkende innerhalb des jeweiligen Staates ausdehnte. Die Bartholomäusnacht, die Plünderung Magdeburgs, die Hexenverfolgungen, die langwährende katholisch-protestantische Grenzgewalt auf den Britischen Inseln — gegen genau diese Ereignisse ist der säkulare Liberalismus, im Rückblick, eine Versicherung. Wer meint, religiöse Toleranz sei im modernen Westen zerbrechlich, hat recht; nur ist die Zerbrechlichkeit eingebaut: ein erschöpfter Waffenstillstand, kein metaphysischer Ausgleich.

Warum es jetzt zählt

Jede heutige Debatte über religiöse Rücksichtnahme, säkularen öffentlichen Raum und die Rechte von Minderheiten ruht auf einem Untergrund, der aus einem Jahrhundert europäischen Blutes gemauert ist. Dieser Untergrund ist nicht so dauerhaft, wie wir gelegentlich annehmen. Konfessionelle Gewalt ist nicht aus der Geschichte verschwunden; sie hat nur den Ort gewechselt.

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