Die klassischen Säulenordnungen
- Doric, Ionic, and Corinthian capitalsnoch nicht geprüft
- Proportion of column, capital, and entablaturenoch nicht geprüft
- Vitruvius and the Renaissance codifiersnoch nicht geprüft
- Ornament and Crime versus postmodern revivalnoch nicht geprüft
Um 25 v. Chr. schloss Marcus Vitruvius Pollio, römischer Ingenieur und Architekt, De architectura ab — die einzige Schrift über Baukunst, die vollständig aus der klassischen Antike auf uns gekommen ist. Am weitesten gewirkt hat darin die Festschreibung der drei griechischen Säulenordnungen: der dorischen (streng, der Säulenkranz des Parthenon), der ionischen (schlank, mit dem Volutenkapitell des Erechtheion) und der korinthischen (mit Akanthus geschmückt, der Vorzug des kaiserlichen Rom). Die Römer ergänzten die schlichtere toskanische und die reicher gearbeitete komposite Ordnung. Die Ordnung — das Proportionsvokabular aus Säule, Kapitell und Gebälk — blieb zweieinhalbtausend Jahre lang die Grammatik der klassischen Architektur des Westens, bis Le Corbusier und das Bauhaus mit ihr brachen.
Eine Säulenordnung schmückt nicht bloß, sie ordnet Proportionen. Zu jeder gehören Basis, Schaft (oft kanneliert), Kapitell und ein Gebälk aus Architrav, Fries und Gesims. Die Griechen bauten sogar feine optische Korrekturen ein — eine leichte Schwellung des Schafts, die Entasis, und einen nach oben durchgebogenen Stylobat —, weil vollkommen gerade Linien dem Auge eingesunken erscheinen; erst die Korrektur lässt den Tempel lineal-gerade wirken. Festgelegt sind Säulenhöhe als Vielfaches des unteren Durchmessers, Säulenabstand und Gebälkhöhe, und zwar für jede Ordnung eigens: dorisch gedrungen mit dem 5- bis 7-fachen, ionisch schlanker mit dem 8- bis 9-fachen, korinthisch am schlanksten mit dem 9- bis 10-fachen. Vitruv lieferte die Maße; für die Renaissance systematisiert haben sie erst die Traktate von Sebastiano Serlio, Giacomo Vignola und Andrea Palladio, dessen Quattro Libri 1570 erschienen. Getragen hat das System über so ungleiche Zeiten hinweg, weil es dreierlei zugleich leistet. Es führt proportionales Denken mit sich — die konsonanten Intervalle der Musik beruhen auf denselben kleinen ganzen Zahlen, und die Logik wanderte aus der Baukunst in die Musiktheorie und in die Perspektivmalerei. Es verträgt jeden Maßstab, vom kleinen Tempel bis zum großen öffentlichen Bau — Pantheon, Petersdom, Kapitol in Washington. Und es gibt ein international lesbares Vokabular ab: Griechischer Tempel, römisches Forum, Renaissance-Palazzo und Beaux-Arts-Bahnhof sprechen dieselbe Sprache aus Säule und Gebälk — deshalb war die klassische Architektur zwei Jahrtausende lang das Standardregister öffentlichen Ernstes in den Städten des Westens. Der Einspruch der Moderne — Adolf Loos mit Ornament und Verbrechen (1910), dann Le Corbusier und das Bauhaus — lautete: historische Dekoration ohne funktionale Rechtfertigung, die Form habe der Funktion zu folgen, Ornament sei unehrlich. Die postmoderne Erwiderung der 1970er Jahre — Venturi, Stern, Moore, Graves — hielt dagegen, ohne die Ordnungen verliere die Architektur ihre Bedeutung.