Das Höhlengleichnis
- Shadows on the wall, sun outsidenoch nicht geprüft
- Forms, and the painful climb to reasonnoch nicht geprüft
- Socrates, Plato, and the Academynoch nicht geprüft
- The appearance-vs-reality problemnoch nicht geprüft
Um 375 v. u. Z., im siebten Buch der Politeia, legt Platon dem Sokrates ein Gedankenexperiment in den Mund, das fast jedes andere Bild der westlichen Philosophie überlebt hat. Stell dir Gefangene vor, von Geburt an in einer Höhle angekettet, den Kopf so fixiert, dass sie nur eine Wand sehen. Hinter ihnen brennt ein Feuer, und zwischen Feuer und Gefangenen verläuft ein Gang, auf dem Gestalten Statuen und Gegenstände tragen wie Puppenspieler hinter einem Schirm. Alles, was die Gefangenen je erblicken, sind die Schatten dieser Dinge auf der Wand, und diese benennen und ordnen sie als das Ganze dessen, was existiert — sie haben nichts anderes gekannt. Einer wird befreit, hinauf aus der Höhle ans Sonnenlicht gezerrt, lernt allmählich, wirkliche Dinge zu sehen, und am Ende auch die Sonne selbst. Er kehrt zurück, um es den anderen zu berichten. Sie verspotten ihn — und würden ihn töten, wenn sie könnten. Die Allegorie ist zweieinhalb Jahrtausende alt — und nicht gealtert.
Die Höhle ist Platons zentrales Bild für das Verhältnis zwischen Schein und Wirklichkeit, zwischen der Welt, die wir durch die Sinne empfangen, und der Welt, wie sie tatsächlich ist. Der entkommene Gefangene ist der Philosoph; der Aufstieg ist der Aufstieg der Seele durch die Vernunft. Dieser Aufstieg vollzieht sich in Stufen und ist schmerzhaft: zunächst geblendet vom Feuerschein, dann vom offenen Himmel, vermag der Befreite erst Schatten und Spiegelungen im Wasser zu betrachten, ehe sein Auge sich an die Dinge selbst gewöhnt und zuletzt an die Sonne — die Idee des Guten, der Ursprung, der Sein wie Erkennen erst möglich macht, so wie das Sonnenlicht das Sehen möglich macht. Das Gleichnis erhebt mehrere Ansprüche zugleich: dass gewöhnliche Wahrnehmung systematisch in die Irre führt; dass die Wirklichkeit nur durch schmerzhaft disziplinierte Untersuchung zugänglich ist; dass jene, die die Wirklichkeit gesehen haben, eine politische Pflicht zur Rückkehr in die Höhle haben, so gefährlich es auch sei; und dass jene, die noch darin sind, sich der Befreiung widersetzen werden, weil ihre Identität an die Schattenwelt gebunden ist. Der zurückkehrende Philosoph, dessen Augen das Dunkel nicht mehr gewohnt sind, tappt unsicher zwischen den Schatten und erscheint den anderen als Narr, der sich durch sein Fortgehen zugrunde gerichtet hat — und so halten ihn gerade jene, die er befreien will, für ihren Feind, ein Ausgang, in dem Platons Leser seit jeher den Prozess gegen Sokrates vernommen haben. Die Allegorie ist eine frühe Formulierung dessen, was Philosophen heute das epistemische Problem der Wahrnehmung, das politische Problem der Philosophie und das ethische Problem des unliebsamen Wahrheitsboten nennen. Platons Metaphysik — die Existenz zeitloser Ideen, der nachgeordnete Rang der Wahrnehmungswelt — wird von den meisten modernen Philosophen abgelehnt; doch die Struktur der Allegorie ist in zahllose Folgebilder gewandert: Bacons Idole, Kants Noumena und Phänomena, Marx' falsches Bewusstsein, Nietzsches Perspektivismus, die Unterscheidung der modernen Wissenschaftsphilosophie zwischen Beobachtung und Theorie.