Stoizismus
- What is up to us, and what is notnoch nicht geprüft
- Virtue as the only good, the rest indifferentnoch nicht geprüft
- Premeditation of evils and the view from abovenoch nicht geprüft
- From the Painted Porch to Stockdale and CBTnoch nicht geprüft
Zenon von Kition, ein zyprischer Kaufmann, erlitt um 312 v. Chr. in Athen Schiffbruch, geriet in eine Buchhandlung, las Xenophons Memorabilien über Sokrates und fragte, wo solche Männer zu finden seien. Der Buchhändler zeigte auf den Philosophen Krates den Kyniker, der gerade vorbeiging. Zenon folgte ihm — und lehrte um 301 v. Chr. seine eigene Philosophie unter der Stoa Poikile, der Bunten Halle an der Nordseite der Athener Agora. Nach dem Gebäude benannte sich die Schule. Gelesen wird die Tradition heute vor allem in ihrer römischen Gestalt: Seneca, Neros Lehrer, dem der Selbstmord befohlen wurde; Epiktet, als Sklave geboren, dessen Enchiridion sein Schüler Arrian überliefert hat; und Mark Aurel, dessen Selbstbetrachtungen private Notizhefte von der Donaugrenze waren.
Das stoische System ruht auf wenigen, eng verzahnten Grundsätzen. Die Dichotomie der Kontrolle, mit der Epiktets Enchiridion einsetzt, trennt, was in unserer Macht steht — Urteile, Antriebe, Begierden — von dem, was es nicht tut: Körper, Ruf, Besitz, das Handeln anderer, die äußeren Ereignisse. Weisheit sorgt sich nur um das Erste; Leiden entsteht, wo die Sorge dem Zweiten gilt. Einziges Gut ist die Tugend (arete); alles andere — Gesundheit, Reichtum, Ansehen, das Leben selbst — zählt als Indifferentes, das eine vorzuziehen, das andere zu meiden. Die vier Kardinaltugenden — praktische Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung — treten nur gemeinsam auf. Apatheia meint die Freiheit von den zerstörerischen Leidenschaften: Der Stoiker empfindet nicht weniger als andere, er empfindet richtig. Dazu kommt ein Übungsprogramm — die Vorschau am Morgen, die Rückschau am Abend, die praemeditatio malorum, das Durchspielen möglicher Unglücke, damit keines einen überfällt, der Blick von oben auf das eigene Leben aus kosmischer Ferne, das memento mori —, das den Charakter über die Zeit umformen soll. Die Christianisierung übernahm viel stoisches Vokabular; durch das Mittelalter lief die Tradition unterirdisch weiter, bis der Renaissance-Humanismus sie wiederbelebte, allen voran Justus Lipsius, dessen De Constantia (1584) den Neustoizismus anstieß. Die moderne psychologische Rezeption führt über die Rational-Emotive Verhaltenstherapie von Albert Ellis (1955), die sich ausdrücklich auf das Enchiridion als theoretisches Fundament berief; Becks kognitive Verhaltenstherapie entstand ein Jahrzehnt später unabhängig davon und berief sich ebenfalls auf Epiktet — womit die stoische Technik die klinisch am besten belegte philosophische Tradition im heutigen Gebrauch ist.