Statistische Mechanik
- Microstates averaging into macrostatesnoch nicht geprüft
- S = k_B · ln W on Boltzmann's tombnoch nicht geprüft
- The Boltzmann distribution and partition function Znoch nicht geprüft
- Maxwell-Boltzmann, Fermi-Dirac, and Bose-Einsteinnoch nicht geprüft
Die Thermodynamik konnte Wärme, Arbeit und Entropie im Ganzen beschreiben und sagte doch nichts darüber, woraus die Materie besteht. In den 1870er Jahren schob Ludwig Boltzmann in Wien die fehlende Ebene darunter: Die Größen, die wir messen — Temperatur, Druck, Entropie —, sind statistische Mittel über die rasende Bewegung unzähliger unsichtbarer Moleküle. Ein Gas enthält rund 10²³ davon; keinem einzelnen kann man folgen, und doch legt ihre Statistik alles fest. Der Gedanke war radikal bis zum Skandal, denn Atome selbst galten noch nicht als gesicherte Physik, und Boltzmann wurde als Träumer verspottet. Zermürbt vom Streit nahm er sich 1906 das Leben — zwei Jahre bevor Jean Perrins Versuche zur Brownschen Bewegung endgültig bewiesen, dass die Atome, und Boltzmann, recht hatten.
Der Kerngedanke ist fast peinlich einfach. Beschreibt man ein System in voller Ausführlichkeit — den genauen Ort und die Bewegung jedes Moleküls —, hat man einen Mikrozustand; beschreibt man nur, was sich messen lässt — Temperatur, Druck, Energie —, hat man einen Makrozustand. Der Haken ist, dass ein einzelner Makrozustand mit einer atemberaubenden Zahl von Mikrozuständen verträglich ist. Boltzmanns Einsicht war, dass der Makrozustand, den wir tatsächlich beobachten, schlicht jener ist, der sich auf die meisten Weisen verwirklichen lässt. Nicht weil die anderen Anordnungen verboten wären, sondern weil sie überwältigend in der Unterzahl sind: Rührt man die Moleküle zufällig durch, landet man, so gut wie immer, in der Konfiguration, die die meisten Ausführungen ihrer selbst besitzt. Wärme fließt, Gase füllen ihre Behälter, und die Dinge streben ins Gleichgewicht nicht, weil ein Gesetz sie dazu zwingt, sondern weil die Alternativen bloß, astronomisch, unwahrscheinlicher sind. Das ist es, was Entropie wirklich bedeutet. Boltzmanns Formel — S = k · ln W, in seinen Grabstein gemeißelt — sagt, die Entropie sei nichts Exotischeres als die Zahl der Mikrozustände W, die dasselbe makroskopische Aussehen teilen, durch einen Logarithmus geschickt. Die große Behauptung des Zweiten Hauptsatzes, dass die Entropie stets zunimmt, wird damit fast zur Selbstverständlichkeit: Ein System driftet von unwahrscheinlicheren Anordnungen zu wahrscheinlicheren, von einer Ordnung, die auf wenige Weisen möglich ist, zu einer Unordnung, die auf unzählige möglich ist. Was aussieht wie ein ehernes Naturgesetz, ist im Grunde eine Aussage über Zählen und Wahrscheinlichkeiten — vielleicht der leiseste Umsturz der Wissenschaft des neunzehnten Jahrhunderts, der ein Grundgesetz in eine Sache überwältigender Wahrscheinlichkeit auflöst.