Die Bibliothek · PhysikTafel № 239 · Folio II
ILL. № 239
PHYS
Plate — Spezielle Relativitätstheorie

Spezielle Relativitätstheorie

Das Licht hat in jedem Inertialsystem dieselbe Geschwindigkeit. Nimmt man diesen einen Satz ernst, folgen Zeitdilatation, Längenkontraktion und E = mc² zwangsläufig daraus.
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Facetten
  • Einstein and the speed-of-light limitnoch nicht geprüft
  • E = mc² and mass-energynoch nicht geprüft
  • Time dilation and invariant framesnoch nicht geprüft
  • The Lorentz factor γnoch nicht geprüft
Der Beitrag

In den Maxwell-Gleichungen (1865) steckte von Anfang an eine Verlegenheit: Aus ihnen folgt, dass Licht sich stets mit c ausbreitet — gleichgültig, wie sich Quelle oder Beobachter bewegen. Mit der newtonschen Mechanik, in der sich Geschwindigkeiten addieren, war das unvereinbar. Vier Jahrzehnte lang versuchte die Physik, beides in Einklang zu bringen, und postulierte dazu einen Äther; das Michelson-Morley-Experiment (1887), das die Erdbewegung durch diesen Äther nachweisen sollte, fand nichts. 1905 schlug Albert Einstein, ein 26-jähriger Angestellter des Berner Patentamts, den umgekehrten Weg vor: die Maxwell-Gleichungen beim Wort nehmen und die Mechanik entsprechend umbauen. Das Ergebnis war die Spezielle Relativitätstheorie.

Die Spezielle Relativitätstheorie steht auf zwei Postulaten: erstens, in allen Inertialsystemen gelten dieselben physikalischen Gesetze; zweitens, in allen Inertialsystemen hat das Licht dieselbe Geschwindigkeit. Das erste verallgemeinert die galileische Relativität, das zweite widerspricht ihr — und zusammen erzwingen sie eine radikale Revision von Raum und Zeit. Zeitdilatation: Eine bewegte Uhr geht langsamer, um den Faktor γ = 1/√(1 − v²/c²); bei v = 0,87 c ist γ = 2, die Uhr tickt mit halbem Tempo. Längenkontraktion: Ein bewegter Körper verkürzt sich in Bewegungsrichtung um denselben Faktor. Relativität der Gleichzeitigkeit: Was dem einen Beobachter gleichzeitig erscheint, folgt für einen relativ dazu bewegten nacheinander. Masse-Energie-Äquivalenz: E = mc² — Masse ist eine Form von Energie, mit c² (≈ 9 × 10¹⁶ J/kg) als Umrechnungsfaktor; das folgt aus den beiden Postulaten und wird nicht vorausgesetzt. An die Stelle der klassischen Galilei-Transformationen treten die Lorentz-Transformationen; unverändert lassen sie das Raumzeit-Intervall Δs² = c²Δt² − Δx² − Δy² − Δz² — die eine Invariante, die getrennte Zeit- und Raumabstände ablöst. Vierervektoren — Ort, Geschwindigkeit, Impuls, Energie-Impuls — bündeln, was die klassische Mechanik getrennt führte. Die Kausalität bleibt gewahrt, weil der Lichtkegel die Struktur vorgibt: Ereignisse außerhalb des Lichtkegels des jeweils anderen können einander nicht beeinflussen, überlichtschnelle Signale schließt die Theorie aus. Im Alltag bleiben die Effekte unterhalb jeder Wahrnehmungsschwelle — bei der Geschwindigkeit eines Verkehrsflugzeugs ist γ ≈ 1 + 3 × 10⁻¹³ —, aber sie sind real und messbar: Das Hafele-Keating-Experiment von 1971 schickte Atomuhren im Flugzeug um die Erde und maß exakt die vorhergesagte Zeitdilatation.

Warum jetztGPS-Satelliten brauchen beide Korrekturen — die der Speziellen und die der Allgemeinen Relativitätstheorie: Ihre Bahngeschwindigkeit (~14 000 km/h) lässt die Borduhren um ~7 μs/Tag nachgehen, die schwächere Gravitation in der Bahnhöhe lässt sie um ~45 μs/Tag vorgehen. Ohne beides würden die Positionsangaben um Kilometer pro Tag abwandern. In Teilchenbeschleunigern wie dem LHC laufen Teilchen routinemäßig mit über 0,999 c; γ übersteigt dann mehrere Tausend, und die SRT ist die dominante Korrektur. Kernkraft und Kernwaffen schöpfen ihre Energie aus E = mc²: Die Spaltprodukte wiegen zusammen etwas weniger als der Ausgangskern. Und die Myonen der kosmischen Strahlung, die die Erdoberfläche erreichen, hätten längst zerfallen sein müssen — sie überstehen die Reise nur, weil ihr relativistisches Tempo ihre innere Uhr langsamer gehen lässt.