Romantik
- Van Gogh and the painterly afterlifenoch nicht geprüft
- Friedrich, Turner, the sublime landscapenoch nicht geprüft
- Géricault, Delacroix, the political canvasnoch nicht geprüft
- Beethoven and the Romantic symphonynoch nicht geprüft
Die Romantik ist die künstlerische und kulturelle Bewegung zwischen etwa 1770 und 1850, die das einzelne Subjekt in die Mitte der europäischen Kunst, Philosophie und Musik rückte. Ihre erste Welle war der Sturm und Drang der 1770er Jahre in Deutschland — Goethes Die Leiden des jungen Werthers (1774), Schillers Die Räuber (1781). Wordsworth und Coleridge brachten sie mit den Lyrical Ballads (1798) ins Englische; ein Bild gab ihr Caspar David Friedrich mit dem Wanderer über dem Nebelmeer (1818), einen Klang Beethoven mit der Neunten (1824), einen Schauerroman Mary Shelley mit Frankenstein (1818), einen politischen Auftritt Delacroix mit Die Freiheit führt das Volk (1830). Die Romantiker wussten, dass sie sich gegen die Aufklärung stellten — und erfanden dabei die bis heute geltende Vorstellung vom Künstler als einem, der abseits steht.
Eine Lehre ist die Romantik nicht, eher eine Familie verwandter Überzeugungen. Durch alle hindurch läuft dieselbe Verschiebung: An die Stelle der öffentlichen, bürgerlichen, moralischen Stoffe, die die klassizistische Kunst geordnet hatten, tritt die private, persönliche, gefühlte Erfahrung. Die subjektive Lyrik wird zur romantischen Form schlechthin; die organische Form verdrängt die Regelpoetik des 18. Jahrhunderts; und in der Mitte der Kunst steht nicht mehr die Vernunft, sondern die Einbildungskraft — jenes schöpferische, zusammenführende, weltstiftende Vermögen, das Coleridge von der bloßen Phantasie abgrenzte. Am weitesten stieg die Musik: Die romantische Ästhetik erhob sie zur Kunst, die dorthin reicht, wo die Sprache aufhört — und auf diesen Anspruch bauten Schubert, Schumann, Chopin, Berlioz, Liszt, Wagner, Brahms und Tschaikowski das Repertoire des Jahrhunderts (brief 287). Die Natur wird auf derselben Achse neu gelesen: Statt bestellter Felder erscheint die schreckenerregende Natur — Friedrichs Eismeere, Turners Stürme, das Erhabene der Alpen —, keine Kulisse mehr, sondern eine Macht, vor der die menschlichen Anliegen zusammenschrumpfen. Der romantische Held (Werther, Childe Harold, Onegin, Heathcliff) steht am Rand der Gesellschaft, ist seelisch überspannt und dem Untergang bestimmt; von ihm führt eine Linie zu den Antihelden der Moderne und zum Antihelden-Fernsehen der Gegenwart. Wiederentdeckt hat die Romantik außerdem das Mittelalter, die Volksdichtung (Herder, die Brüder Grimm) und das Außereuropäische (Goethes West-östlicher Divan, der romantische Orientalismus). Vor allem aber verdanken wir ihr den Künstler als Seher — Blakes prophetische Dichtung, Beethovens späte Quartette, Shelleys Satz, die Dichter seien die unerkannten Gesetzgeber der Welt —, eine Figur, die als Künstlerkult bis heute weiterlebt. Historisch war das alles eine Antwort: auf die Vernunft der Aufklärung, auf die Französische Revolution, auf die Industrialisierung, die die Romantiker mit Grauen und Faszination zugleich betrachteten, und auf eine Säkularisierung, deren Leerstelle sie mit Kunst, Natur und Innenleben füllten.