Riemannsche Geometrie
- A varying inner product on each tangent spacenoch nicht geprüft
- Geodesics as locally shortest straight linesnoch nicht geprüft
- Riemann, Ricci, and scalar curvaturenoch nicht geprüft
- Intrinsic curvature without an ambient spacenoch nicht geprüft
Am 10. Juni 1854 hielt der siebenundzwanzigjährige Bernhard Riemann an der Universität Göttingen seinen Habilitationsvortrag — die Vorlesung, die für den Status eines Privatdozenten, eines unbezahlten Nachwuchsdozenten, verlangt war. Der alternde Carl Friedrich Gauß, der das Thema gewählt hatte, saß im Auditorium. Riemanns Vortrag Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen dauerte dreißig Minuten, enthielt keine Formel und war für fast jeden im Saal außer Gauß unverständlich. Darin schlug Riemann etwas Kühnes vor: die Geometrie ist nicht notwendig flach oder euklidisch. Die lokalen Regeln des Abstands dürfen stetig über einen Raum variieren, und das Ergebnis ist eine Klasse intrinsisch gekrümmter Geometrien — riemannsche Mannigfaltigkeiten —, die sechzig Jahre später genau das waren, was Einstein zum Aufschreiben der Allgemeinen Relativitätstheorie brauchte.
Eine riemannsche Mannigfaltigkeit ist eine glatte Mannigfaltigkeit (ein topologischer Raum, der lokal wie ℝⁿ aussieht, mit verträglicher glatter Struktur), versehen mit einer riemannschen Metrik: einem glatt variierenden Skalarprodukt auf dem Tangentialraum an jedem Punkt. Die Metrik legt lokal fest, was „Abstand“ und „Winkel“ heißen — und entscheidend: die Festlegung darf sich von Punkt zu Punkt ändern. Aus diesem Minimum entrollt sich die Geometrie. Länge einer Kurve: integriere die aus der Metrik gewonnene Geschwindigkeit längs der Kurve. Geodäten: lokal längenminimierende Kurven — die natürlichen „Geraden“ der Mannigfaltigkeit; auf der Sphäre die Großkreise, in der Raumzeit die Bahnen frei fallender Körper. Christoffel-Symbole beschreiben, wie sich der lokale Bezugsrahmen bei Bewegung dreht. Der Levi-Civita-Zusammenhang ist der eindeutige torsionsfreie Zusammenhang, der mit der Metrik verträglich ist. Krümmungstensoren — Riemann, Ricci, skalar — sind zunehmend kontrahierte Maße dafür, wie weit die Geometrie von der Flachheit abweicht. Der Satz von Gauß-Bonnet (in 2D) besagt, dass das Integral der Gauß-Krümmung über eine geschlossene Fläche gleich 2π mal der Euler-Charakteristik ist — Geometrie, die Topologie codiert, eines der tiefsten Resultate der klassischen Differentialgeometrie. Die Schnittkrümmung überträgt die Gauß-Krümmung in höhere Dimensionen. Geodätische Vollständigkeit, konjugierte Punkte, Jacobi-Felder, Schnittorte — das technische Werkzeug der praktischen riemannschen Geometrie. Der Rahmen unterscheidet die intrinsische Geometrie (was eine Ameise auf der Fläche feststellen kann, ohne sie zu verlassen) von der extrinsischen (wie die Fläche in einem umgebenden Raum liegt) — und Riemanns tiefe Einsicht war, dass die intrinsische Geometrie genügt. Wir müssen unser Universum in keinen höherdimensionalen Raum einbetten, um seine Krümmung zu fassen.