Public Choice & Staatsversagen
- Government failure as the mirror of market failurenoch nicht geprüft
- Rational ignorance, capture, and rent-seekingnoch nicht geprüft
- Rules of the game over policies within themnoch nicht geprüft
Die meisten Einführungen in die Volkswirtschaftslehre behandeln das Marktversagen: Konstellationen, in denen der unregulierte Markt ineffiziente Ergebnisse hervorbringt — mit der stillschweigenden Folgerung, dass staatliches Eingreifen es besser machen könne. 1962 veröffentlichten die amerikanischen Ökonomen James Buchanan und Gordon Tullock an der University of Virginia The Calculus of Consent und legten dasselbe ökonomische Werkzeug an staatliches Entscheiden an: auch Politiker und Bürokraten, so ihr Argument, sind eigeninteressierte Akteure, die auf Anreize reagieren — keine selbstlosen Wohlfahrtsmaximierer. Aus dieser Linie wuchs die Public-Choice-Theorie — und mit ihr eine symmetrische Analyse: Märkte versagen, doch Regierungen versagen ebenso, und die eigentliche Frage lautet, welche institutionelle Ordnung im jeweiligen Bereich weniger versagt. Buchanan erhielt 1986 den Wirtschaftsnobelpreis für die Arbeit; der Rahmen hat Verfassungsdesign, Regulierungsanalyse und politische Ökonomie tief geprägt.
Die Public-Choice-Theorie wendet ökonomische Methoden auf Politik und Verwaltung an und modelliert politische Akteure — Wähler, Politiker, Bürokraten, Interessengruppen — als rationale, eigeninteressierte Akteure, die auf die Anreizstrukturen ihres Umfelds reagieren. Die wichtigsten Befunde lassen sich gruppieren: rationale Ignoranz (Downs, 1957) — Wähler haben kaum Anreiz, sich zu informieren, weil ihre einzelne Stimme verschwindend selten den Ausschlag gibt; konzentrierte Vorteile, gestreute Kosten (Olson, 1965, The Logic of Collective Action) — Maßnahmen, die wenigen viel und vielen wenig nehmen, werden politisch systematisch überangeboten; regulatorische Vereinnahmung (Stigler 1971) — Aufseher geraten über Drehtüreffekte, Informationsasymmetrie und gemeinsame soziale Netze in den Sog der von ihnen beaufsichtigten Branchen; Rent-Seeking (Tullock 1967, Krueger 1974) — schafft der Staat Renten durch Lizenzen, Monopolzuteilung oder Handelshemmnisse, fließen Ressourcen in das Jagen nach diesen Renten statt in produktive Tätigkeit; Bürokratie (Niskanen 1971) — Bürokraten maximieren das Budget statt die gesellschaftliche Wohlfahrt; politischer Konjunkturzyklus (Nordhaus 1975) — Amtsinhaber legen fiskalische und geldpolitische Lockerung in den Wahlkampf; Medianwählertheorem (Black 1948, Downs 1957) — unter bestimmten Bedingungen wandern Zweiparteiendemokratien zur Position des Medianwählers. Buchanans späterer Schwerpunkt, die konstitutionelle politische Ökonomie, argumentiert, dass die Spielregeln der Politik (Verfassungsbau, Wahlrecht, Gewaltenteilung, Eigentumsschutz) wichtiger sind als die konkreten Beschlüsse innerhalb dieser Regeln, und dass die Verfassungswahl hinter einem Schleier des Nichtwissens darüber zu treffen ist, welche Position man später selbst einnehmen wird. Die üblichen Einwände sind scharf — zu enges Bild menschlicher Motivation, empirisch uneinheitlich, politisch gefärbt, blind für gemeinwohlorientiertes Handeln —, und die spätere Literatur hat die stärksten Behauptungen entschärft, ohne die methodische Einsicht aufzugeben: politische Institutionen brauchen positive Analyse, nicht nur normative Theorie.