Polyrhythmus & kulturübergreifendes Metrum
- West African interlocking drum patternsnoch nicht geprüft
- Indian tala cycles and Cuban clavenoch nicht geprüft
- Bulgarian aksak limping metersnoch nicht geprüft
- Rhythm templates learned like phonemesnoch nicht geprüft
Eine westafrikanische Meistertrommlerin, ein Tabla-Spieler in einem hindustanischen Konzert, ein Clave-Perkussionist in einer kubanischen Band und eine bulgarische Hochzeitskapelle im 7/8-Takt — sie alle tun etwas, dem ein auf 4/4 trainiertes Ohr nicht recht folgen kann. Jede und jeder legt ein Pattern gegen einen Grundpuls, den die Hörerin innerlich mittragen soll — einen Puls, den kein einzelnes Instrument tatsächlich spielen muss und der sieben, zwölf oder sechzehn Schläge lang läuft, bevor er sich schließt. Solcher Musik zu folgen heißt, mehr als eine Vorhersage zugleich zu halten. Was denen mühelos gelingt, die in der Tradition aufwuchsen, erscheint allen anderen nahezu unmöglich — und dieser Abstand ist das ganze Thema.
Die Traditionen lösen ein Problem auf verschiedene Weisen. Westafrikanische Polyrhythmik ist die tiefe Wurzel: drei bis sechs Trommler greifen ineinander, jeder mit eigenem gefühltem Hauptschlag, sodass die Textur nicht ein Metrum ist, sondern mehrere, die einander kreuzen — die Ahnin des rhythmischen Gefühls in Jazz, Funk und afrokubanischer Musik. Der indische Tala fädelt die Zeit in lange Zyklen von sieben, zwölf oder sechzehn Schlägen, und die ganze Aufführung atmet um den Sam des Zyklus, seinen Hauptschlag der Hauptschläge, den die Hörerin halten muss, um zu spüren, wo die Musik landet. Die kubanische Son-Clave verdichtet dasselbe Prinzip zu einem einzigen zweitaktigen Schlüssel, an den jedes andere Instrument gebunden bleibt; eine Band, die von der Clave abdriftet, ist im kubanischen Verständnis schlicht gescheitert. Und die Bulgarische Aksak — die „humpelnden“ Metren der Balkanvolksmusik — bauen ihren Puls aus ungleichen Gruppierungen, 7/8 als 2+2+3 gehört, das Material, das Béla Bartók in den westlichen Konzertsaal trug.
Was all das für einen Außenstehenden schwer macht, ist nicht abstrakte Schwierigkeit — Kinder, die in diesen Traditionen aufwachsen, bringen sie mühelos hervor —, sondern Enkulturation. Das Gehirn legt rhythmische Schablonen in früher Kindheit so an, wie es die Laute einer Muttersprache festlegt, und ein Muster, dem man jung nie begegnet ist, wird später so schwer zu fühlen wie ein fremder Vokal zu hören. Das ist der eine wahrhaft demütigende Befund hier: Die Schranke ist nicht Talent, sondern Übung, und sie wird in denselben Jahren, durch dieselbe Maschinerie gelegt wie die eigene Muttersprache. Eine echte Obergrenze gibt es nicht — anhaltendes Hören baut die fehlenden Schablonen auf —, aber eine Abkürzung eben auch nicht.