Planetare Grenzen
- Rockström's 2009 nine-process synthesisnoch nicht geprüft
- The Holocene as safe operating spacenoch nicht geprüft
- Thresholds, not predictions; coupled, not independentnoch nicht geprüft
- Judgment-call numbers and doughnut adoptionnoch nicht geprüft
2009 erschien in Nature ein Aufsatz, den ein 27-köpfiges Autorenteam des Stockholm Resilience Centre unter Johan Rockström vorlegte: A Safe Operating Space for Humanity. Seine These: Menschliches Handeln treibe inzwischen biophysikalische Prozesse auf dem gesamten Planeten an, und neun davon besäßen Schwellen, jenseits derer nichtlineare, womöglich katastrophale Veränderungen einsetzen. Der eigentliche Gedanke lag darin, Klima, Biodiversität, Wasser, Chemie und Biogeochemie in einer einzigen Bilanz zusammenzuführen — eine Synthese, die dem Feld schmerzlich fehlte und die bis dahin niemand geliefert hatte. 2009 galten drei der neun Grenzen als überschritten; die Fortschreibung von 2023 (Richardson et al., Science Advances) zählte sechs von neun. Heute steckt das Konzept in der Umweltpolitik der EU, in Kate Raworths Donut-Ökonomie und in den Nachhaltigkeitszielen von Unternehmen — und zieht weiterhin scharfe methodische Kritik auf sich.
Drei Gedanken tragen das Konzept. Erstens die Holozän-Basislinie: Die vergleichsweise ruhigen Klima- und Ökosystembedingungen der letzten 10.000 Jahre — jener Zeitraum, in dem Ackerbau und Zivilisation entstanden — gelten als der sichere Handlungsraum der Menschheit, und die Grenzen benennen die Prozesse, in denen menschlicher Druck ihn ins Wanken bringt. Zweitens Schwellen statt Prognosen: Jede Grenze markiert ein Niveau, ab dem das Risiko eines Zustandswechsels ernst wird — keine Garantie, dass er tatsächlich eintritt. Drittens gekoppelt statt unabhängig: Das Klima treibt den Verlust an Biodiversität, die Ozeanversauerung hängt am Klima, und der Stickstofffluss wirkt gleich dreifach — aufs Klima über N₂O, auf die Biodiversität über die Eutrophierung, auf die Landnutzung. Die Einwände dagegen sind ernst zu nehmen. Die Schwellenwerte sind begründete Setzungen: Die Klimagrenze von 350 ppm ist ungefähr das Niveau, bei dem mehrere wichtige Stabilitätsindikatoren noch hielten, keine aus ersten Prinzipien hergeleitete harte Schwelle. Manche Grenzen — atmosphärische Aerosole, neuartige Substanzen — lassen sich global kaum sauber beziffern. Die Veränderung der Landsysteme fällt regional so unterschiedlich aus, dass ein einziger globaler Wert in die Irre führen kann. Dagegen steht: Die Richtung zählt mehr als die exakte Zahl. Liegt eine Grenze um einen Betrag daneben, bleibt die Richtung der Überschreitung dennoch eindeutig — und kein anderes Modell führt ein vergleichbar breites Spektrum von Erdsystem-Indikatoren zusammen.