Fotografie
- Daguerre 1839 and Talbot's negative-positive calotypenoch nicht geprüft
- Photons, silver halides, and the exposure trianglenoch nicht geprüft
- Mimesis surrendered: Impressionism to Cubismnoch nicht geprüft
- Winning the fine-art argument and the digital turnnoch nicht geprüft
Am 7. Januar 1839 trat François Arago vor die Französische Akademie der Wissenschaften und berichtete, Louis Daguerre habe ein Verfahren gefunden, das aus der Camera obscura fixierte Bilder gewinnt — chemische Aufzeichnungen dessen, was das Auge sieht. Die französische Regierung kaufte die Rechte umgehend und schenkte das Verfahren der Welt. Zwei Jahre darauf ließ William Henry Fox Talbot in England die Kalotypie patentieren, das erste Negativ-Positiv-Verfahren; von dort führt die Linie ohne Bruch über Film und Digitaltechnik bis zum Smartphone von heute. Kein Einzelereignis hat die gegenständliche Kunst so tief umgestellt. Eine Maschine bildete nun mit einer Treue ab, die kein Zeichner erreichte — und die Frage, die sich der Malerei damit stellte, wozu ist Malerei noch da, jetzt wo es die Fotografie gibt, trieb das folgende Jahrhundert.
Im Kern ist Fotografie Chemie: Photonen treffen auf eine lichtempfindliche Schicht — Silberhalogenide oder, digital, Photodioden —, hinterlassen ein latentes Bild, und dieses wird entwickelt. Farbe entsteht in der klassischen Technik über drei Schichten für Rot, Grün und Blau, im Digitalen über einen Bayer-Filter vor dem Sensor. Die optischen Stellschrauben sind wenige, ihre Wirkung ist groß: Das Belichtungsdreieck aus Blende, Verschlusszeit und ISO legt die Belichtung fest; eine weit offene Blende macht die Schärfentiefe gering, eine kurze Verschlusszeit friert die Bewegung, eine lange lässt sie verwischen. Was die Fotografie mit der Malerei anstellte, ist die meisterzählte Geschichte ihres ersten Jahrhunderts: Der Realismus war der letzte ernsthafte Rivale im Abbilden, und sobald das neue Medium verfügbar war, gingen die Maler bewusst auf Abstand — der Impressionismus setzte das subjektive Licht voran, der Postimpressionismus ging weiter, der Kubismus verabschiedete die Zentralperspektive vollständig, sodass die Avantgarde der Malerei um 1910 die Abbildung hinter sich gelassen hatte. Die Fotografie wiederum wurde selbst zur Kunst: Eine erste Generation (Cameron, Brady) nahm sie als technische Neuheit, eine zweite (Stieglitz, Steichen, Strand) stritt für Fotografie als bildende Kunst und behielt recht; zur Jahrhundertmitte hatte das Medium einen eigenen Kanon (Ansel Adams, Cartier-Bresson, Walker Evans, Diane Arbus, Robert Frank). Ihre dritte Wirkung — auf Journalismus, Wissenschaft, Geschichtsschreibung und private Erinnerung — machte sie zu der Bildtechnik der Moderne. Der digitale Übergang hat verschoben, was Fotografie überhaupt ist: In den 2010er Jahren erreichten Smartphones die Qualität einer beiläufig geführten Spiegelreflexkamera, und die Computational Photography — Mehrbildstapelung, KI-Entrauschung, KI-gesteuertes HDR — reicht heute über das hinaus, was Optik allein hergibt.