1817 veröffentlichte der Londoner Chirurg James Parkinson den Essay on the Shaking Palsy und beschrieb sechs Patienten mit einem bis dahin unerkannten Syndrom: Ruhetremor, Rigor, Bradykinesie (Verlangsamung der Bewegung), Haltungsinstabilität. Die Krankheit, die seinen Namen trägt, betrifft heute weltweit rund 10 Millionen Menschen. Ihr seltsamstes Merkmal ist das, was den Symptomen zugrunde liegt: bis die motorischen Zeichen erstmals auftauchen, sind rund 80 % der dopaminproduzierenden Neuronen in einem kleinen Mittelhirnkern bereits abgestorben. Klinisch ist die Erkrankung das sichtbare Ende eines langen unsichtbaren Vorgangs.
Morbus Parkinson ist die kanonische Synucleinopathie: Degeneration der dopaminergen Neuronen der Substantia nigra pars compacta, mit intrazellulären Lewy-Körperchen — Aggregaten fehlgefalteten α-Synucleins — als pathologischem Kennzeichen. Das Dopamindefizit in den Basalganglien erzeugt die motorische Trias. Wenn sich die Pathologie vom Hirnstamm zum Kortex ausbreitet (das Braak-Schema), entwickeln Patienten zunehmend kognitive Einschränkungen; die Lewy-Körperchen-Demenz sitzt auf demselben Krankheitsspektrum, mit ausgeprägter Kognitionsstörung und visuellen Halluzinationen neben den motorischen Symptomen. Genetik trägt in 10–15 % der Fälle (LRRK2, GBA, SNCA, PARK2 und andere); der Rest ist sporadisch, mit umweltbedingten Risikofaktoren (Pestizidkontakt, Schädel-Hirn-Trauma) und Schutzfaktoren (Koffein, Bewegung, Rauchen — letzteres ist keine Empfehlung), die eher hinweisend als bestimmend sind. Warum gerade die Dopamin-Neuronen sterben — die Frage der selektiven Vulnerabilität — bleibt nach einem Jahrhundert Forschung weitgehend unbeantwortet.
L-DOPA, 1967 eingeführt, ist nach wie vor die tragende Säule der Behandlung — es verbessert die motorischen Symptome dramatisch, hält aber das Fortschreiten der Krankheit nicht auf und ruft nach langer Anwendung Dyskinesien hervor. Die tiefe Hirnstimulation des Nucleus subthalamicus oder des Globus pallidus internus hilft bei therapieresistenter Motorik. Gentherapie, Stammzell-Ansätze (Transplantation von iPSC-abgeleiteten Dopamin-Neuronen) und gegen α-Synuclein gerichtete Antikörper stehen in klinischen Studien; die Ergebnisse sind bislang bescheiden. Die klinische Realität ist gegenüber 1967 kaum verändert: symptomatisches Management einer Krankheit, deren zugrunde liegende Biologie wir nach wie vor nicht aufhalten können.