Opportunitätskosten
- Value of the next-best forgonenoch nicht geprüft
- Scarcity forces every trade-offnoch nicht geprüft
- Each extra unit satisfies lessnoch nicht geprüft
Was eine Entscheidung kostet, ist die Entscheidung, die man nicht getroffen hat. Beim alltäglichen Entscheiden wird kein Begriff so wenig genutzt wie die Opportunitätskosten — und kaum einer ist wichtiger. Jede Stunde für eine Sache ist eine Stunde, die einer anderen fehlt: Eine Stunde Lernen kostet die Stunde Arbeit oder Erholung, die sie verdrängt, und niemals die Studiengebühr, die zufällig auch fällig war. Jeder Euro in der einen Anlage ist ein Euro, der in keiner anderen steckt. Jede öffentliche Ausgabe verdrängt eine andere. Die Buchhaltung des Kopfes führt Geld, aber keine entgangenen Möglichkeiten — und deshalb entscheiden wir gewohnheitsmäßig schlechter, als wir könnten. In Begriffe gefasst hat das erst der österreichische Nationalökonom Friedrich von Wieser in den 1880er Jahren; übergangen hatte es der gesunde Menschenverstand da schon erheblich länger.
Was Opportunitätskosten zuerst sichtbar machen: „kostenlos“ führt fast immer in die Irre. Das Gratisessen kostet die Zeit, die man am Tisch verbringt. Der kostenlose Dienst kostet die Daten, mit denen der Zugang bezahlt wird. Die freie Stunde kostet, was sie anderswo eingebracht hätte. Die wahren Kosten einer Wahl stecken nicht in dem Geld, das sie verschlingt, sondern in dem Wert der besten Möglichkeit, die man dafür fallen lässt. Unbequem ist die Übung, weil man sich diese Möglichkeit erst ausdenken muss, und dagegen sperrt sich der Kopf: Die Salienzverzerrung lässt uns buchen, was vor Augen liegt, und übersehen, was sich nicht zeigt. Genau darauf zielte Bastiat mit seiner Unterscheidung von Was man sieht und was man nicht sieht — der gegangene Weg ist anschaulich und greifbar, der ausgeschlagene bleibt unsichtbar, und verlässlich wiegt bei uns das Sichtbare zu schwer. Derselbe blinde Fleck erklärt, weshalb wir die Opportunitätskosten mit ihrem Spiegelbild verwechseln: Versunkene Kosten sind ausgegeben und weg, in einer Entscheidung haben sie nichts zu suchen — zählt doch nur, was noch kommt —, und psychologisch ziehen sie stärker an uns als alles andere. Anleger, die in Opportunitätskosten zu rechnen lernen, werden deutlich besser; Führungskräfte, die es lernen, verteilen Budgets und Personal strenger; und wer es für sich selbst lernt, sagt zu Verpflichtungen nicht mehr zu, deren wahren Preis er nie überschlagen hat. Der Gedanke trägt weit: Am Kapital heißt er Zeitwert des Geldes, im Außenhandel komparativer Vorteil (Ricardo), an der Aufmerksamkeit einer Organisation Priorisierung. Und schaut man über die Fächergrenzen hinweg, welche Eigenschaft gute Entscheider teilen, so findet man am zuverlässigsten diese: ein strenges Rechnen in Opportunitätskosten — die Übung, immer zu fragen: „statt was?“