Noether-Theorem
- Every continuous symmetry, a conservation lawnoch nicht geprüft
- Time, space, rotation: energy, momentum, spinnoch nicht geprüft
- Gauge symmetry and the Standard Modelnoch nicht geprüft
- Emmy Noether 1918 and the gauge revivalnoch nicht geprüft
1918 bewies die deutsche Mathematikerin Emmy Noether — als Frau von jeder bezahlten Universitätsstelle ausgeschlossen, in Göttingen unentgeltlich arbeitend — einen Satz, den man das wichtigste Theorem der mathematischen Physik genannt hat. Er besagt: Zu jeder kontinuierlichen Symmetrie eines physikalischen Systems gehört ein Erhaltungssatz — und umgekehrt. Dass Energie erhalten bleibt, folgt aus der Zeittranslationsinvarianz; die Naturgesetze sind von einem Augenblick zum nächsten dieselben. Die Impulserhaltung folgt aus der Verschiebbarkeit im Raum, die Drehimpulserhaltung aus der Invarianz gegenüber Drehungen. Die tiefsten Regelmäßigkeiten der Physik erweisen sich als Ausdruck geometrischer Struktur.
Mit Noether verschob sich, was Physiker unter fundamentaler Physik überhaupt verstehen. Was das neunzehnte Jahrhundert als bloße Erfahrungstatsachen hingenommen hatte, ließ sich nun aus Symmetrien der zugrunde liegenden Gleichungen herleiten. Die Brücke dorthin ist das Prinzip der kleinsten Wirkung: Von allen denkbaren Bahnen nimmt ein System diejenige, die eine bestimmte Gesamtgröße — die Wirkung — stationär macht. Noether zeigte, dass immer dann, wenn eine kontinuierliche Schar von Transformationen die Wirkung unangetastet lässt, eine zugehörige Größe entlang der Bewegung konstant bleiben muss, mathematisch zwingend und nicht erfahrungsgemäß. Stellt man die Uhr vor und die Gesetze sehen gleich aus, ist die Energie erhalten; verschiebt man den ganzen Versuchsaufbau zur Seite, der Impuls; dreht man ihn, der Drehimpuls. Die Symmetrie ist die Ursache, der Erhaltungssatz die Folge, das Wirkungsprinzip die Mechanik dazwischen. Verblüffend ist die Reichweite: In der klassischen Mechanik gilt der Satz so gut wie in der Feldtheorie und in der Quantentheorie, und er läuft auch rückwärts — wird eine neue Erhaltungsgröße gefunden, nimmt man sie als Hinweis auf eine Symmetrie, die nur noch zu benennen ist. Grundlegend wurde er für die Eichtheorie, den Rahmen des gesamten Standardmodells der Teilchenphysik, in dem die Kräfte selbst als Folge innerer Symmetrien erscheinen: die elektromagnetische Kraft der U(1), die schwache der SU(2), die starke der SU(3). Der Higgs-Mechanismus, die Existenz der W- und Z-Bosonen, die Quantisierung der elektrischen Ladung — alles das ergibt sich aus Symmetrieargumenten, die auf Noether zurückgehen. Bestätigt sind die Vorhersagen des Standardmodells mit außerordentlicher Genauigkeit, das magnetische Moment des Elektrons auf zwölf Dezimalstellen. Noether selbst veröffentlichte den Satz unter dem Titel Invariante Variationsprobleme und maß ihm kaum Gewicht bei; häufig zitiert wurde er erst Jahrzehnte später, nach der Wende zu den Eichtheorien.