Mythos & Archetyp
- Campbell's Hero's Journey monomythnoch nicht geprüft
- Jung's archetypes — Self, Shadow, Tricksternoch nicht geprüft
- Propp and Lévi-Strauss on myth's structurenoch nicht geprüft
- Cognitive universals against cultural specificsnoch nicht geprüft
1949 legte der vergleichende Mythenforscher Joseph Campbell Der Heros in tausend Gestalten vor. Gestützt auf Jung und einen riesigen folkloristischen Bestand behauptete er, dasselbe Handlungsmuster kehre in Überlieferungen wieder, zwischen denen es historisch nie einen Kontakt gab: Der Held bricht auf, überschreitet eine Schwelle, besteht Prüfungen, steigt in eine Unterwelt hinab, trifft auf eine verwandelnde Macht und kommt mit einer Gabe zurück. Campbell nannte das Muster den Monomythos. Als These ist sie empirisch angreifbar, die Kernbeobachtung dagegen kaum: Irgendetwas daran, wie Menschen bedeutsame Erzählungen bauen, teilt die Gattung über alle Kulturgrenzen hinweg.
Ein Archetyp — Jung entlehnte den Begriff der Spätantike — ist ein wiederkehrendes Muster der menschlichen Einbildungskraft, das in Träumen ebenso auftaucht wie in Mythen, religiösen Symbolen, Volksmärchen und Romanen. Jungs Katalog führt das Selbst, den Schatten, Anima/Animus, den Trickster, den Helden, den alten Weisen. Lévi-Strauss kam mit anderem Werkzeug zum selben Befund: Seine strukturale Anthropologie (ab 1958) sieht in den Mythen aller Kulturen eine gemeinsame strukturelle Grammatik aus binären Oppositionen, vermittelnden Gliedern und Transformationen. Propp hatte 1928 in der Morphologie des Märchens einunddreißig wiederkehrende Funktionen des russischen Zaubermärchens verzeichnet — Verbot, Aufbruch, Schenker, Kampf, Rückkehr, Erkennung. Joseph Campbells Monomythos, die Heldenreise, bündelt all das in eine Schablone aus siebzehn Stufen: Ruf zum Abenteuer, Schwellenübertritt, Bauch des Wals, Weg der Prüfungen, letzte Gabe, magische Flucht, Herr zweier Welten, Freiheit zum Leben. Vieles fügt sich nicht; manches fügt sich mit Ansage — Star Wars als berühmtestes Beispiel, denn George Lucas hatte Campbell gelesen. Kognitive Ansätze prüfen, ob Erzählungen mit Akteuren, Zielen, Hindernissen und Zustandswechseln leichter erinnert werden. Wiederholungen lassen sich daneben durch kulturelle Überlieferung und Konvention erklären. Universalistisch argumentierende Forscher (Eric Csapo, Bruce Lincoln) betonen die Übereinstimmung, kulturalistisch argumentierende (Robert Segal, Wendy Doniger) die Abweichung und die politische Arbeit, die die Mythen jeder Tradition leisten. Immer häufiger endet der Streit in einer Synthese: Übereinstimmung und Abweichung sind beide echt — die groben Schablonen gibt die Kognition vor, die konkreten Inhalte die Geschichte.