Matrizen
- Rows, columns, and the basic operationsnoch nicht geprüft
- Cayley's multiplication rule and its surprisesnoch nicht geprüft
- Determinant, invertibility, and the inversenoch nicht geprüft
- A matrix as a transformation in disguisenoch nicht geprüft
Zweitausend Jahre lang ordnete man Rechnungen in Zahlenrechtecken, ohne dass ihnen je jemand einen Namen gegeben hätte. Schon die chinesischen Neun Kapitel der Rechenkunst (um 100 v. Chr.) stellten lineare Gleichungssysteme in matrixartigen Tableaus dar und lösten sie mit dem Verfahren, das heute Gaußsches Eliminationsverfahren heißt — neunzehn Jahrhunderte vor Gauß. Auch Carl Friedrich Gauß selbst rechnete 1809 so, ohne das Objekt zu taufen. Erst 1858 bekam das Rechteck Namen und Begriff: Der britische Mathematiker Arthur Cayley — Anwalt von Beruf, Mathematiker aus Neigung — veröffentlichte A Memoir on the Theory of Matrices und löste das Zahlenschema damit aus seinem Rechenzusammenhang. Bei ihm wurde es zu einem Ding für sich: mit eigener Algebra, eigener Multiplikationsregel und eigenen Überraschungen.
Eine Matrix ist ein rechteckiges Zahlenschema aus m Zeilen und n Spalten. Addiert wird eintragsweise — die Matrizenaddition verlangt dafür gleiche Formate —, und die Skalarmultiplikation multipliziert jeden Eintrag mit derselben Zahl. Cayleys eigentliche Neuerung ist die Matrizenmultiplikation, die Regel, die Matrizen überhaupt erst interessant macht: Das Produkt AB existiert nur, wenn A so viele Spalten hat wie B Zeilen, und der Eintrag (AB)ᵢⱼ ist das Skalarprodukt aus der i-ten Zeile von A und der j-ten Spalte von B. Willkürlich wirkt diese Regel nur, solange man nicht sieht, wofür sie da ist: Die Matrizenmultiplikation bildet genau die Hintereinanderausführung der Transformationen ab, für die die Matrizen stehen. Daraus folgen zwei Überraschungen. Erstens ist die Multiplikation nicht kommutativ — AB und BA stimmen im Allgemeinen nicht überein. Zweitens kann AB verschwinden, obwohl weder A noch B null ist: Matrizen besitzen Nullteiler, der Ring der quadratischen Matrizen ist also kein Körper. Jede quadratische Matrix trägt eine Kennzahl, die Determinante. Sie entscheidet, ob die Matrix invertierbar ist (det ≠ 0), und benennt zugleich den Faktor, um den die zugehörige Transformation Volumina skaliert. Die Inverse A⁻¹ existiert genau dann, wenn die Determinante nicht verschwindet; dann gilt AA⁻¹ = I mit der Einheitsmatrix I. Für besondere Familien von Matrizen — symmetrisch, orthogonal, diagonal, dreieckig, dünnbesetzt — gibt es Algorithmen, die auf die jeweilige Struktur zugeschnitten sind. Die tragende Einsicht aber lautet: Eine Matrix ist eine Vorschrift, die Vektoren transformiert. Das Produkt Av packt den Vektor v und liefert einen neuen — damit ist die Brücke zu den linearen Abbildungen geschlagen, und mit ihr der Zugang zur gesamten linearen Algebra.