Lineare Abbildungen
- T(au + bv) = a·T(u) + b·T(v)noch nicht geprüft
- Every linear map is a matrix on a basisnoch nicht geprüft
- Rotations, reflections, projections, shearsnoch nicht geprüft
- Kernel, image, and the rank-nullity theoremnoch nicht geprüft
1872 legte der deutsche Mathematiker Felix Klein — dreiundzwanzig Jahre alt, frisch auf einen Erlanger Lehrstuhl berufen — zu seinem Amtsantritt eine Programmschrift vor, die die Geometrie radikal neu sortierte. Geometrie, so Klein, untersucht, welche Eigenschaften unter welchen Transformationen erhalten bleiben. Euklidisch ist demnach, was Drehungen, Spiegelungen und Verschiebungen übersteht; affin, was unter Abbildungen fortbesteht, die parallele Geraden parallel lassen; projektiv, was selbst beliebige Projektionen überlebt. Erst kommen die Transformationen — Geometrie ist, was sie übrig lassen. Das Erlanger Programm brachte nahezu die gesamte Geometrie des neunzehnten Jahrhunderts in diese Ordnung und rückte die Transformationen selbst ins Zentrum des Fachs — allen voran die linearen.
Eine lineare Abbildung T: V → W ist eine Funktion zwischen Vektorräumen, die mit den Vektorraumoperationen verträglich ist: T(au + bv) = a·T(u) + b·T(v) für beliebige Vektoren u, v und Skalare a, b. Viel verlangt das nicht — nur, dass T Addition und Skalierung zugleich respektiert. Und doch legt schon das die Abbildung überall fest, allein durch ihr Verhalten auf einer Basis: Steht fest, wohin die Basisvektoren gehen, steht alles fest, denn per Linearität ergibt sich jeder andere Vektor als passende Kombination. Genau hier greifen lineare Abbildungen und Matrizen ineinander. Wählt man Basen für V und W, dann fängt eine m×n-Matrix jede lineare Abbildung zwischen beiden vollständig ein — in ihren Spalten stehen die Bilder der Basisvektoren von V. Matrix und Abbildung sind zwei Ansichten derselben Sache; und weil die Verkettung von Abbildungen der Multiplikation von Matrizen entspricht, versteht man hier auch, warum die Multiplikationsregel aussieht, wie sie aussieht. In der Ebene lässt sich das alles besichtigen: Drehung um den Winkel θ, Spiegelung an einer Geraden, Projektion auf eine Achse, Streckung mit je nach Richtung verschiedenen Faktoren, Scherung, bei der eine Achse gegen die andere kippt. Jede dieser Operationen ist eine Matrix, und wer sie kombiniert, kombiniert die Matrizen. Was eine Abbildung leistet, beschreiben zwei Mengen. Der Kern von T sammelt die Vektoren, die auf null fallen — die Richtungen, die T auslöscht; das Bild sammelt alles, was T hervorbringen kann. Der Rangsatz zieht daraus die Bilanz: dim(V) = dim(Kern) + dim(Bild) — beide Stücke zusammen schöpfen V restlos aus, eine der saubersten Bilanzgleichungen der Mathematik.