Wahre, gerechtfertigte Überzeugung & das Gettier-Problem
- Knowledge as justified true beliefnoch nicht geprüft
- Gettier's 1963 counterexamplesnoch nicht geprüft
- Empiricism, rationalism, skepticismnoch nicht geprüft
Seit Platons Theaitetos (~369 v. Chr.) lautete die philosophische Standardantwort auf die Frage, was Wissen sei: Wissen ist wahre, gerechtfertigte Überzeugung. Wer weiß, dass p, muss p für wahr halten, p muss zutreffen, und es braucht eine Rechtfertigung. Zweieinhalb Jahrtausende lang galt die Definition als vollständig. 1963 legte Edmund Gettier, damals junger Assistant Professor an der Wayne State University, in Analysis einen dreiseitigen Aufsatz vor: Is Justified True Belief Knowledge? Darin zwei knappe Szenarien, in denen jemand eine wahre, gerechtfertigte Überzeugung hat und intuitiv dennoch kein Wissen. So einfach die Gegenbeispiele gebaut sind, so vernichtend wirkten sie: Die Erkenntnistheorie arbeitet sich seit sechs Jahrzehnten an Gettier ab, ohne sich auf einen Ersatz geeinigt zu haben.
Beide Fälle Gettiers sind gleich gebaut. In Fall 1 hat man Smith gesagt, Jones werde die Stelle bekommen, und Smith hat nachgezählt, dass Jones zehn Münzen in der Tasche hat; gerechtfertigt hält er darum für wahr: Der Mann, der die Stelle bekommt, hat zehn Münzen in der Tasche. Die Stelle bekommt jedoch Smith selbst, ohne es zu ahnen, und auch er hat zehn Münzen — die Überzeugung ist wahr und gerechtfertigt und trotzdem kein Wissen, denn die Rechtfertigung lief über eine falsche Zwischenstufe. In Fall 2 hat Smith gute Belege dafür, dass Jones einen Ford besitzt, und schließt daraus gültig: Jones besitzt einen Ford, oder Brown ist in Barcelona — das zweite Glied beliebig gewählt. Jones besitzt keinen Ford, Brown aber hält sich zufällig in Barcelona auf; die Disjunktion ist wahr, sie ist gerechtfertigt, Wissen ist sie wieder nicht. Beide Male führt eine gerechtfertigte, aber falsche Zwischeninferenz zu einer wahren Überzeugung. Dutzende Reparaturversuche folgten — kausale Theorien (Goldman 1967), no false lemmas (Clark 1963), der Reliabilismus (Wissen ist wahre Überzeugung aus einem verlässlichen Prozess), Sensitivitäts- und Sicherheitsbedingungen (Nozick, Sosa, in möglichen Welten formuliert), die Tugenderkenntnistheorie (Sosa, Greco), schließlich Williamsons Knowledge-First-Erkenntnistheorie (2000), die Wissen als begrifflich primitiv ansetzt. Konsens hat keiner erzeugt, und zu jedem lassen sich Gegenbeispiele bauen. Geblieben ist zweierlei: Gettier hat das Fach gezwungen, Gedankenexperimente und Fallintuitionen als Daten ernst zu nehmen; sein Problem beeinflusste spätere Debatten etwa in der modalen, der Tugend- und der Knowledge-first-Epistemologie, war dafür aber nicht der einzige Ausgangspunkt.