Geld ist, anders als das Lehrbuchbild suggeriert, kein Ding. Es ist eine soziale Technologie — Recheneinheit und Tauschmittel, getragen von institutionellen Arrangements, die fast jeder täglich nutzt, ohne nachzudenken. Was als Geld zählt, ist selbst umstritten. M1 umfasst Bargeld und Bankeinlagen. M2 nimmt Sparkonten und Geldmarktfonds hinzu. M3 — und im Finanzsystem nach 2008 zunehmend auch Schatzwechsel und andere bargeldnahe Aktiva, die in Repo-Märkten als Sicherheit dienen — geht noch weiter. Die kontraintuitivste Tatsache über modernes Geld: den größten Teil davon schaffen die Geschäftsbanken selbst — der Kredit erzeugt die Einlage, und die Einlage ist Geld. Zentralbanken schaffen Basisgeld (Reserven und Bargeld), steuern die breitere Geldmenge aber nur mittelbar, über Zinsen und — seit 2008 — quantitative Lockerung.
Inflation ist die Rate, mit der das allgemeine Preisniveau steigt — die Größe, an der sich jede Erklärung abarbeitet, sobald Preise sich bewegen. Die Arithmetik ist trivial: bei 9 % Jahresinflation (der US-Höhepunkt im Juni 2022) kostet ein Warenkorb, der im Vorjahr 100 $ kostete, jetzt 109 $, und ein Dollar kauft rund 8 % weniger. Das kausale Bild dagegen ist mehrfach verursacht. Geldmenge, Umlaufgeschwindigkeit, Fiskalstimulus, Angebotsschocks, Erwartungen künftiger Inflation, Lohndynamik, Währungsabwertung, indirekte Steuern — sie alle wirken auf die Preise ein. Ihre jeweiligen Beiträge in einer konkreten Episode auseinanderzurechnen verlangt Annahmen, über die sich vernünftige Ökonomen streiten — weshalb die Inflationswelle nach 2021 eine lebhafte Debatte zwischen mehreren Schulen ausgelöst hat, die bis heute nicht entschieden ist. Hyperinflation — Weimar 1923, Simbabwe 2008, Venezuela ab 2017 — ist der Grenzfall: kann sich eine Regierung nur noch über die Notenpresse finanzieren und verliert die Bevölkerung das Vertrauen in die Währung, verdoppeln sich Preise im Wochentakt. Disinflation geht umgekehrt: die Volcker-Federal-Reserve (1979–1982) hob die Zinsen über 19 %, riss damit die Wirtschaft in eine scharfe Rezession und brach die Lohn-Preis-Erwartungen der 1970er — zum realen Preis einer Arbeitslosigkeit, die die Politik der Epoche prägte.
Moderne Zentralbanken — die Federal Reserve, die EZB, die Bank of England — geben ein ausdrückliches Inflationsziel vor, meist um 2 % pro Jahr. Das offene Eingeständnis von Powell (2022) und Bailey (2023) nach der Welle lautete: die Standardprognosemodelle hatten Größenordnung wie Dauer dieses Inflationsschubs systematisch unterschätzt. Kryptowährungen (Bitcoin, Stablecoins, digitales Zentralbankgeld) öffnen die Frage was Geld eigentlich ist noch einmal neu — diesmal auf der Ebene der monetären Mechanik statt der Ideologie. Die konkurrierenden makroökonomischen Schulen, die erklären, warum sich Inflation bewegt — monetaristisch, keynesianisch, österreichisch, MMT, Real Business Cycle —, sind ein eigenes Thema; dieser Beitrag beschreibt die Mechanik, über die sie streiten.