Ungleichheit: Politik & Maßnahmen
- Occupy, Brexit, and Trumpism as consequencesnoch nicht geprüft
- Wealth taxes and direct income transfersnoch nicht geprüft
- Reshaping pre-tax wages and the deeper rulesnoch nicht geprüft
- Who bears decarbonization and AI's costsnoch nicht geprüft
Keine Frage der politischen Ökonomie hat die Zeit nach 2008 so geprägt wie die Ungleichheit. Ihre Messgrößen gehören inzwischen zur Alltagsdebatte: der Gini-Koeffizient, der eine ganze Verteilung in eine Zahl zwischen null und eins packt, und der Einkommensanteil des obersten 1 %, dessen Anstieg seit 1980 die Schlagzeile liefert — wobei sich Einkommens- und Vermögensungleichheit verschieden entwickeln und die Kluft beim Vermögen größer ist. Occupy (2011), der Brexit (2016), der Trumpismus (2016 und 2024), die gilets jaunes in Frankreich (2018) und die populistische Welle quer durch die Industrieländer haben die Forschung vor die Frage gestellt, ob wachsende Ungleichheit zu diesen ansonsten sehr unterschiedlichen Bewegungen beigetragen hat. Die Wirkungsrichtung ist strittig — im Populismus können ebenso Migration, kultureller Wandel und schwindendes Vertrauen in Institutionen stecken —, doch der Zusammenhang zwischen steigender Ungleichheit und erstarkendem Populismus ist robust genug, dass es Mainstream geworden ist, ihn ernst zu nehmen. Die politische Klasse hat davon nichts kommen sehen: Die Daten lagen zwei Jahrzehnte offen zutage, bevor die Politik nachzog.
Vor der Politik kommen die Ursachen — und über deren Gewicht herrscht im Fach Uneinigkeit. Vier Kandidaten tauchen immer wieder auf: der qualifikationsverzerrte technische Wandel, der Bildung eine wachsende Prämie verschafft; Globalisierung und Handel, die die Beschäftigten der Industrieländer der Niedriglohnkonkurrenz aussetzten; die schwindende Verhandlungsmacht der organisierten Arbeit, während der gewerkschaftliche Organisationsgrad fiel und die Unternehmenslandschaft sich konzentrierte; und Thomas Pikettys These: Übersteigt die Kapitalrendite die Wachstumsrate — sein r > g —, zieht ererbtes Vermögen dem erarbeiteten Einkommen davon, und der Anteil der Eigentümer wächst von Generation zu Generation, solange nichts dazwischenkommt. Wie viel jeder dieser Treiber erklärt, ist selbst umstritten — und je nach Antwort liegt die Abhilfe woanders. Die politischen Antworten sortieren sich in vier Familien. Progressive Besteuerung setzt bei der Verteilung nach Steuern an: Pikettys globale Vermögenssteuer, die konkreten US-Vorschläge von Saez und Zucman, die 2021 vereinbarte globale Mindeststeuer von 15 % auf Unternehmensgewinne, Reformen der Erbschaft- und Kapitalertragsteuer. Transferprogramme bringen Einkommen direkt zu den unteren Haushalten: Der erweiterte Child Tax Credit des American Rescue Plan halbierte 2021 die Kinderarmut in den USA — für das eine Jahr, in dem er galt, dann ließ man ihn auslaufen; dazu Vorschläge für ein bedingungsloses Grundeinkommen und die dichteren Netze der europäischen Wohlfahrtsstaaten. Arbeitsmarktpolitik verschiebt die Verteilung vor Steuern, indem sie die Lohnfindung selbst umbaut: Branchentarife, höhere Mindestlöhne, Kartellrecht gegen monopsonistische Arbeitsmärkte. Predistribution — Jacob Hackers Wortprägung — greift noch tiefer in die Regeln ein, damit schon die Verteilung vor Steuern gleicher ausfällt: Wettbewerbspolitik, Bildungszugang, Wohnungsangebot, die Eigentumsstruktur der Unternehmen. Jeder Hebel kostet an anderer Stelle — Steuern am Wachstum, Mindestlöhne an der Beschäftigung, Transfers an den Arbeitsanreizen — und um jeden wird gestritten. Darunter liegt eine letzte Unterscheidung: Ergebnisungleichheit gegen Chancenungleichheit. Große Abstände mag eine Gesellschaft hinnehmen, wenn der Aufstieg offensteht — nur ist die Mobilität genau dort gefallen, wo die Ergebnisse auseinanderliefen.