BIP & Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
- What GDP measuresnoch nicht geprüft
- Macroeconomics: the aggregate viewnoch nicht geprüft
- Imports and exportsnoch nicht geprüft
- Taxes and PPP comparisonnoch nicht geprüft
Der Auftrag kam 1932 vom US-Senat: Simon Kuznets, ein belarussisch-amerikanischer Ökonom am National Bureau of Economic Research, sollte ein Maß für die Wirtschaftsleistung des Landes entwickeln. Sein Bericht vom Januar 1934 führte ein, was erst Bruttosozialprodukt und später Bruttoinlandsprodukt heißen sollte — und lieferte die erste bezifferte Antwort darauf, wie tief die Depression das Land getroffen hatte: Das US-Volkseinkommen war von 87,8 Milliarden Dollar 1929 auf 39,3 Milliarden 1932 gefallen, ein Einbruch um 55 %. Ausgerechnet Kuznets blieb zutiefst zwiegespalten: Vom Wohl einer Nation, schrieb er, verrate die Messung des Volkseinkommens kaum etwas. Das BIP misst Produktion, nicht Wohlfahrt. Es zählt die Tätigkeit, die verschmutzt, und deren Beseitigung gleichermaßen mit; das Honorar des Scheidungsanwalts geht als Wirtschaftsleistung ein, unbezahlte häusliche Sorgearbeit mit null. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gerüst ausgebaut (Keynes, How to Pay for the War, 1940), in Bretton Woods festgeschrieben und über das System of National Accounts der UN weltweit zum Standard.
Drei Wege führen auf dieselbe Zahl, und dass sie es tun, ist Konstruktion, keine Entdeckung. Man kann zusammenzählen, was alle Betriebe erzeugen, abzüglich der Vorleistungen, die sie voneinander beziehen. Man kann zusammenzählen, was alle verdienen: Löhne, Gewinne, Mieten, Produktionsabgaben. Oder man zählt die Ausgaben: Konsum, Investitionen, Staatskäufe, Exporte minus Importe. Jeder Vorgang ist zugleich jemandes Produktion, jemandes Einkommen und jemandes Ausgabe — die drei Summen müssen sich per Definition treffen. Gehen veröffentlichte Schätzungen dennoch auseinander, misst der Abstand die Qualität der Statistik, nicht irgendeine Eigenschaft der Wirtschaft. Vor jedem Vergleich stehen zwei Korrekturen. Nominale Zahlen vermengen reales Wachstum mit Preisbewegungen, also werden die Preise herausgerechnet. Und Ländervergleiche zu Marktwechselkursen rechnen die Ärmeren künstlich klein: Haarschnitte und Busfahrten lassen sich nicht über Grenzen verschiffen und kosten deshalb wenig, wo die Löhne niedrig sind — weshalb man international mit Kaufkraftparitäten vergleicht. Die eigentliche Frage ist aber nicht, wie addiert wird, sondern was — und die Politik sitzt an der Produktionsgrenze. Häusliche Produktion bleibt draußen: Dasselbe Essen zählt, wenn ein Restaurant es verkauft, und verschwindet, wenn jemand es daheim kocht. Zu Marktlöhnen gerechnet, macht diese Lücke in reichen Ländern etwa ein Viertel der gemessenen Wirtschaftsleistung aus — und sie liegt fast vollständig auf Arbeit, die traditionell Frauen geleistet haben. Mit der Natur verfährt die Grenze genauso: Der gefällte Wald steigert die Leistung, der stehende zählt nichts, und das Aufräumen danach zählt noch einmal. All das macht die Größe nicht unbrauchbar — es macht sie zu dem, als was sie gebaut wurde: ein Maß der Produktion. Gefährlich wird es erst, wenn eine Produktionsstatistik als Punktetafel nationalen Erfolgs gilt. Denn was gemessen wird, zieht Politik an — und ein Land kann die Zahl steigern, während es genau das aufzehrt, was die Zahl nie sehen sollte.