Furcht & die Amygdala
- Klüver-Bucy and the lesioned amygdalanoch nicht geprüft
- Basolateral input, central-nucleus outputnoch nicht geprüft
- Fear conditioning and its extinctionnoch nicht geprüft
- PTSD and amygdala-driven hyperconsolidationnoch nicht geprüft
1939 suchten der Psychologe Heinrich Klüver und der Neurochirurg Paul Bucy die Stelle im Gehirn, an der Meskalin ansetzt, und entfernten Rhesusaffen dafür beide Schläfenlappen samt der darin liegenden Amygdalae. Was sie bekamen, hatten sie nicht erwartet: Die Tiere wurden auffällig friedfertig, erkannten Bedrohungen nicht wieder, die sie zuvor in Schrecken versetzt hatten, versuchten jeden Gegenstand zu fressen — Futter, Kot, Steine —, versuchten sich mit jedem Artgenossen zu paaren, unabhängig von Geschlecht und Situation, und nahmen Schlangen in die Hand, ohne zu zucken. Das Klüver-Bucy-Syndrom — Seelenblindheit für emotionale und biologische Bedeutung — wurde zu einem der theoretisch folgenreichsten Befunde der Neurowissenschaft des 20. Jahrhunderts. Für die emotionale Salienz von Wahrnehmungsinhalten war offenbar eine kleine mandelförmige Struktur unter der Hirnrinde zuständig, lateinisch amygdala, „Mandel“.
Die Amygdala ist eine Gruppe von Kernen im vorderen medialen Schläfenlappen, beidseits spiegelbildlich angelegt und beim Menschen rund 1,5 cm³ groß. Eingang und Ausgang sind getrennt: Der basolaterale Komplex nimmt auf, was Thalamus, sensorische Rindenfelder und präfrontaler Kortex an sensorischer Information liefern; der zentrale Kern gibt weiter — an Hirnstammkerne, die Erstarrung und Sympathikusaktivierung auslösen, und an den Bettkern der Stria terminalis, der für anhaltende Angst zuständig ist im Unterschied zur akuten Furcht. Das kanonische Paradigma ist die Furchtkonditionierung: Ein konditionierter Reiz wird so lange mit einem unkonditionierten gepaart, bis er allein Erstarrung, autonome Aktivierung und Schreckreaktion auslöst. Im Nagetier lässt sich der Weg nachzeichnen — die CS-Information trifft in der lateralen Amygdala ein, läuft dort mit der US-Information zusammen und verstärkt die synaptischen Verbindungen über NMDA-rezeptorabhängige LTP. Zwei Bahnen tragen den CS: Der schnelle, kurze Weg (Thalamus → Amygdala, rund 12 ms) liefert ein grobes Signal, das für die sofortige Schreckreaktion reicht; der langsame Umweg über die Rinde (Thalamus → Kortex → Amygdala) liefert das eingeordnete Signal, auf dem feinere Reaktionen aufbauen. Extinktion ist kein Löschen, sondern neues Lernen: Im infralimbischen präfrontalen Kortex entsteht ein konkurrierendes Sicherheitsgedächtnis, das das Furchtgedächtnis in passenden Kontexten hemmt — und wo die Extinktion scheitert, liegt der Kern von Angststörungen und PTBS. Die Patientin S.M., deren Amygdalae infolge der Urbach-Wiethe-Krankheit beidseits verkalkt sind, zeigt auf äußere Bedrohung keinerlei Furchtreaktion: Sie hantiert mit Schlangen, geht lachend durch Gruselkabinette, wurde mit Waffen bedroht, ohne angemessen zu reagieren. Ihr Fall belegte, dass es die Amygdala braucht, damit exterozeptive Bedrohung Furcht auslöst; das Einatmen CO2-angereicherter Luft löst bei ihr allerdings weiterhin Panik aus (Feinstein 2013) — interozeptive Furcht läuft also über einen eigenen, amygdala-unabhängigen Weg. Ein reines Furchtzentrum ist die Amygdala deshalb nicht: Sie verarbeitet ebenso Gesichter, soziale Bedrohung, Neuheit und Belohnung.