Falsifizierbarkeit
- Popper's demarcation by falsifiabilitynoch nicht geprüft
- The verify-versus-falsify asymmetry of universal claimsnoch nicht geprüft
- Kuhn, Lakatos, and the Duhem-Quine objectionnoch nicht geprüft
- Null-hypothesis testing and pre-registration todaynoch nicht geprüft
Karl Popper, österreichischer Philosoph, wich den Nationalsozialisten erst nach Neuseeland und dann nach London aus; 1934 erschien seine Logik der Forschung (englisch The Logic of Scientific Discovery), und darin steht ein einziges Kriterium, das Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft scheidet: Wissenschaftlich ist eine Theorie nur, wenn sich ihre Aussagen im Prinzip an der Beobachtung widerlegen lassen. Marxismus, Psychoanalyse und Astrologie fielen durch — Theorien also, die sich nach Poppers Urteil jeder Beobachtung durch Umdeutung anschmiegen konnten —, so anregend sie sonst sein mochten. Einsteins allgemeine Relativitätstheorie dagegen wagte eine riskante Prognose: Das Licht werde an der Sonne um etwa 1,75 Bogensekunden abgelenkt. Sie hätte scheitern können und scheiterte nicht — die wissenschaftliche Tugend schlechthin. Die Falsifizierbarkeit wurde zum meistzitierten Abgrenzungskriterium der Wissenschaftstheorie.
Poppers Kernargument ruht auf der Asymmetrie zwischen Verifizierbarkeit und Falsifizierbarkeit: Wissenschaftliche Theorien sind Allsätze — „alle Schwäne sind weiß“, „F = Gm₁m₂/r²“ —, und einen Allsatz kann keine noch so große endliche Zahl bestätigender Beobachtungen verifizieren, während eine einzige gegenteilige ihn falsifiziert. Eine gute Theorie wagt darum riskante Prognosen, die scheitern könnten, und hält ihnen stand; eine Theorie ohne beobachtbare Folgen ist gar nicht erst wissenschaftlich. Drei Folgerungen ergeben sich daraus. Erstens verbieten gute Theorien mehr: Wer „A zum Zeitpunkt t“ behauptet, schließt fast alles übrige aus, und je mehr eine Theorie ausschließt und dennoch übersteht, desto besser ist sie. Zweitens retten Ad-hoc-Hypothesen, die eine Theorie nachträglich an widersprechende Befunde anpassen, sie um den Preis ihres wissenschaftlichen Status. Drittens werden Theorien nie verifiziert, sondern höchstens bewährt. Als Antwort auf Hume war das sauber — Forscher induzieren nicht, sie vermuten, prüfen und verwerfen oder behalten auf Widerruf —, angefochten wurde es dennoch ohne Ende. Thomas Kuhn hielt 1962 dagegen, dass Wissenschaftler sich so gar nicht verhalten: Vor widersprechenden Befunden schützen sie in aller Regel das herrschende Paradigma, bis die Anomalien sich zur Krise häufen, und wechseln dann mit einem Schlag. Imre Lakatos schliff das Bild zu Forschungsprogrammen mit einem harten Kern, den ein Schutzgürtel aus Hilfshypothesen abschirmt; ob es vorangeht, entscheidet sich daran, ob die Anpassungen progressiv sind, also neue Tatsachen vorhersagen, oder degenerativ. Die Duhem-Quine-These hielt fest, dass keine Hypothese je für sich allein auf dem Prüfstand steht — jede scheinbare Falsifikation lässt sich auf Hilfsannahmen oder den Versuchsaufbau abwälzen. Und die statistische Hypothesenprüfung nach Fisher und Neyman-Pearson macht aus der popperschen Falsifikation Handwerk: Die Nullhypothese ist genau das, was man zu verwerfen versucht — in den meisten empirischen Fächern die Alltagsfassung des „Versuch, es zu widerlegen“.