Elektronische Musik & Aufnahmetechnik
- Schaeffer's concert of noises on tapenoch nicht geprüft
- Recording itself as compositional mediumnoch nicht geprüft
- Moog to MIDI to clip-based softwarenoch nicht geprüft
- Salsa and other Caribbean dance genresnoch nicht geprüft
Am 5. Oktober 1948 sendete die Radiodiffusion française ein Concert de bruits — ein Konzert der Geräusche —, das ein 38-jähriger Rundfunkingenieur namens Pierre Schaeffer allein aus aufgenommenem Klang zusammengestellt hatte: eine Lokomotive, ein Klavier, Schlagwerk, Stimmen, geschlagene Töpfe. Schaeffer hatte die Aufnahmen auf Schellackplatten und dem neu verfügbaren Magnetband manipuliert — geschnitten, geloopt, rückwärts laufen lassen, in der Geschwindigkeit verändert, geschichtet. Das Ergebnis nannte er musique concrète. Der strukturelle Anspruch war radikal: die Aufnahme selbst ist ein kompositorisches Medium; das Studio ist ein Instrument; jeder Klang ist potenziell Musik, sobald ihn ein Komponist ordnet. Ein Jahrzehnt später baute Karlheinz Stockhausen am WDR Köln Studie I (1953) ausschließlich aus synthetisierten Sinustönen — entgegengesetzte Ästhetik, identischer struktureller Anspruch. Das Rohmaterial der Musik war von instrumental gespielten Tonhöhen auf die gesamte klangliche Welt erweitert.
Zwei Fäden haben das Feld geformt. Der erste war die Einsicht, dass die Aufnahme selbst ein kompositorisches Medium ist. Pierre Schaeffers musique concrète arbeitete mit den aufgenommenen Klängen der Welt; Karlheinz Stockhausens Studie I arbeitete aus synthetisierten Sinustönen — entgegengesetzte Ästhetiken, identischer struktureller Anspruch: jeder Klang ist potenziell Musik, und das Studio ist das Instrument, das ihn ordnet. Die institutionellen Nachkriegsstudios kodifizierten die Praxis auf Band, lange bevor sie kommerziell wurde — Schaeffers GRM in Paris, Stockhausens WDR in Köln, Milton Babbitts Columbia-Princeton-Studio und der BBC Radiophonic Workshop, aus dem Delia Derbyshires Doctor-Who-Titel hervorging.
Der zweite Faden war der Weg des Synthesizers von der Hardware zur Software. Robert Moogs modulares Instrument von 1964 machte spannungsgesteuerte Oszillatoren, Filter und Verstärker frei verkabelbar, und Wendy Carlos' Switched-On Bach brachte das Ergebnis vier Jahre später einem breiten Publikum nahe. Moogs portabler Minimoog und Yamahas FM-basierter DX7 prägten zwei aufeinanderfolgende Pop-Epochen; MIDI, 1983 von Dave Smith standardisiert, ist seit vierzig Jahren nahezu unverändert geblieben und bleibt die lingua franca der digitalen Musik. Sampler machten in den 1980ern jeden aufgenommenen Klang per Tastatur spielbar, und Ableton Live verlegte das Arrangement in Software mit einem Clip-basierten Paradigma, das die elektronische Musikproduktion seither prägt. Brian Enos Music for Airports gab dem Ambient 1978 seinen Namen. Vom Bandschnitt bis zum Clip-Arrangement führt der Weg dahin, dass die Produktionswerkzeuge selbst zum bestimmenden musikalischen Material werden.