Die Bibliothek · PhysikTafel № 272 · Folio II
ILL. № 272
PHYS
Plate — Elektromagnetische Wellen & Licht

Elektromagnetische Wellen & Licht

Licht ist eine elektromagnetische Welle — eine sich selbst ausbreitende Welle im Feld, die genau mit der Geschwindigkeit läuft, die die Maxwellschen Gleichungen vorhersagen.
Als Nächstes empfohlen → Farbenlehre · KUNST
Facetten
  • Spectrum from radio to gammanoch nicht geprüft
  • Wavelength, colour, the rainbownoch nicht geprüft
  • Light as a transverse EM wavenoch nicht geprüft
  • Refraction, prisms, Doppler shiftnoch nicht geprüft
Der Beitrag

Als James Clerk Maxwell 1865 seine Gleichungen der Elektrizität und des Magnetismus niederschrieb, trugen sie eine verblüffende Folgerung in sich: Der leere Raum selbst sollte Wellen tragen können, und diese Wellen sollten sich mit einer einzigen genauen Geschwindigkeit bewegen — die sich, ausgerechnet, als die gemessene Lichtgeschwindigkeit erwies. Maxwell zog den einzig möglichen Schluss. Das Licht selbst war eine elektromagnetische Welle. Binnen zweier Jahrzehnte hatte Heinrich Hertz solche Wellen im Labor erzeugt und eingefangen, bei Frequenzen weit unterhalb alles Sichtbaren — Funkwellen — und die Vermutung bestätigt. Mit einem Schlag stand das ganze elektromagnetische Spektrum, von den Radiowellen über das sichtbare Licht bis zu Röntgen- und Gammastrahlen, als ein einziges Phänomen da, das nur verschiedene Wellenlängen trägt.

Der Mechanismus ist eine Art fortwährende Stabübergabe. Ein sich änderndes elektrisches Feld erzeugt ein Magnetfeld; das wechselnde Magnetfeld erzeugt ein elektrisches Feld; jedes bringt das andere neu hervor, und das Paar segelt mit Lichtgeschwindigkeit durch den leeren Raum, ohne ein Medium zu brauchen, das es trägt. Das war der erste Schock — das Licht brauchte keinen unsichtbaren Äther, nur die Felder selbst. Der zweite und tiefere Gedanke ist, dass eine einzige Wellenfamilie, die sich in nichts als der Wellenlänge unterscheidet, über mehr als fünfzehn Größenordnungen reicht und sich an ihren Enden so verschieden verhält, dass es Genie brauchte, um zu sehen, dass sie ein und dasselbe sind. Funkwellen gleiten durch Wände; Mikrowellen wärmen Wasser; ein schmales Band sehen wir als Farbe; Röntgenstrahlen dringen durch Gewebe; Gammastrahlen zertrümmern Moleküle. Was sie eint, ist ein einziger Satz von Gleichungen; was sie unterscheidet, ist, wie die Welle an die Materie koppelt, und diese Kopplung erklärt fast alles, was wir mit dem Spektrum anfangen. Die Energie, die eine Welle trägt, wächst mit ihrer Frequenz, sodass dasselbe Feld bei einer Wellenlänge eine harmlose Wärme und bei einer anderen eine zellschädigende Strahlung ist. Die Materie wiederum antwortet nur dort, wo die Energie der Welle zu einer Lücke passt, die sie schon besitzt: Unsere Augen entwickelten sich, um genau das Band aufzufangen, das die Sonne am stärksten ausgießt und dessen Energie zu den Pigmenten der Netzhaut passt; ein Mikrowellenherd wirkt, weil seine Frequenz zu einer Art passt, wie Wassermoleküle sich gern drehen; die Röntgenkristallographie kann Atome kartieren, weil ihre Wellenlänge ungefähr deren Abstand entspricht. Beugung, Brechung, das Röten des Lichts einer sich entfernenden Galaxie — all das fällt aus denselben Gleichungen, sodass ein kompaktes Gesetz von der Wärme der Sonne auf der Haut bis zur Krümmung des Sternenlichts um eine ferne Galaxie reicht.

Warum jetztFast die gesamte moderne Kommunikation ist ingenieurmäßige Beherrschung dieser Wellen bei gewählten Wellenlängen — Rundfunk, Mobiltelefone, WLAN, 5G, Satellitenverbindungen und das Infrarotlicht, das durch die Glasfasern rast, die das Internet tragen. Die Astronomie liest das Universum heute über das ganze Spektrum zugleich, wobei jedes Band zeigt, was die anderen nicht können: kühles Gas, das im Infrarot glüht, gewaltsame Materie, die in Röntgen- und Gammastrahlen lodert. Radar, medizinische Bildgebung und das Solarpanel auf dem Dach sind alle dieselbe Physik, nur anders gestimmt. Maxwells einzelne Vorhersage von 1865 ist, ohne große Übertreibung, zum technologischen Grundstein der modernen Welt geworden.