Ökosystemleistungen & ihre Bewertung
- Costanza's $33 trillion-per-year valuationnoch nicht geprüft
- Provisioning, regulating, cultural, supporting servicesnoch nicht geprüft
- Replacement cost, avoided damage, and contingent valuationnoch nicht geprüft
- PES, REDD+, and pricing the externalitynoch nicht geprüft
1997 veröffentlichte ein Team um den ökologischen Ökonomen Robert Costanza in Nature eine Schätzung des Geldwerts jener Güter und Leistungen, die die Ökosysteme der Erde dem Menschen erbringen — Wasserreinigung, Bestäubung, Bodenbildung, Klimaregulierung, Fischerei, Erholung, das Säubern verschmutzter Luft. Sie kamen auf 33 Billionen Dollar im Jahr, mehr als das damalige globale Bruttoinlandsprodukt. Die Methodik geriet breit in die Kritik, die Größenordnung ließ sich trotzdem schwer abtun. Eine Neuberechnung von 2014 landete bei rund 125 Billionen Dollar im Jahr. Der Aufsatz eröffnete eine Debatte, die seither durch Umweltökonomie, Naturschutzpolitik und die Bewertung öffentlicher Güter zieht: Was sind Ökosysteme wert, und wie soll dieser Wert in menschliche Entscheidungen eingehen?
Das Millennium Ecosystem Assessment (2005), eine vierjährige, von den Vereinten Nationen geführte Synthese aus der Arbeit von über 1.300 Forschenden, ordnete die Ökosystemleistungen in vier Klassen. Versorgungsleistungen sind die marktfähigen Erträge: Nahrung, Wasser, Fasern, Brennstoff, Arzneiwirkstoffe. Regulierungsleistungen sind die unbepreisten Vorgänge, die Ökosysteme erbringen — Feuchtgebiete reinigen Wasser, Insekten bestäuben, Wälder und Ozeane regulieren das Klima, Mangroven und Riffe dämpfen Hochwasser und Sturmflut. Kulturelle Leistungen meinen, was Menschen einer Landschaft an Bedeutung beilegen: Erholung, spirituelle Bezüge, ästhetische Erfahrung. Basisleistungen tragen alles Übrige — Bodenbildung, Nährstoffkreislauf, Primärproduktion. Die Einteilung war so politisch wie wissenschaftlich gemeint: Die Regulierungsleistungen als Leistungen sichtbar zu machen, statt sie als Hintergrundbedingung mitlaufen zu lassen, war der gedankliche Schritt, mit dem Ökonomen und Ökologen überhaupt anfangen konnten, sie zu bepreisen.
Das Unbezahlbare zu bepreisen — daran hängt die Methodik. Versorgungsleistungen werden auf Märkten gehandelt und haben Preise; Regulierungsleistungen muss man indirekt ansetzen: über die Kosten des Ersatzes (eine Kläranlage, die leistet, was das Feuchtgebiet umsonst leistete), über die Schäden, die sie abwenden (die Sturmflut, die Mangroven puffern), oder über kontingente Bewertung, also Befragungen danach, was Menschen für den Erhalt zu zahlen bereit wären. Die kontingente Bewertung ist das umstrittenste Verfahren: Befragte antworten oft auf die Frage, die sie lieber gehört hätten, und die Werte hängen empfindlich an der Formulierung. Costanzas Zahl entstand durch Aufsummieren heterogener Schätzungen aus vielen Studien, und Kritiker halten dagegen, Ökosysteme seien nicht in dem Maße ersetzbar, wie diese Aggregation unterstellt — ein amazonasgroßes Loch im Weltökosystem lässt sich nicht dadurch stopfen, dass man amazonasgroße Summen in etwas anderes steckt. Was die Kritik übersteht, ist die Richtungsaussage: Ökosysteme leisten Arbeit, deren industrieller Ersatz Kosten mindestens in der Größenordnung der globalen Wirtschaftsleistung verursachen würde — und dass diese Arbeit in den üblichen ökonomischen Entscheidungen nicht verbucht wird, ist eine systemische Externalität genau der Sorte, zu deren Korrektur es die Umweltökonomie gibt.