Entwicklungsökonomik
- Famine as entitlement failure, not crop failurenoch nicht geprüft
- Solow, Romer, and institutions on rich vs. poornoch nicht geprüft
- J-PAL and the randomized-trial turnnoch nicht geprüft
- China's lift, industrial policy, and climate adaptationnoch nicht geprüft
Eine einzige radikale These trägt Amartya Sens Poverty and Famines (Oxford, 1981): Hungersnöte entstehen nicht aus absolutem Mangel an Nahrung. Die bengalische Hungersnot von 1943, die unter britischer Kolonialherrschaft rund drei Millionen Menschen das Leben kostete, fiel in ein Jahr, in dem Bengalens Nahrungsangebot pro Kopf im üblichen Rahmen lag; Bangladesch 1974 und Äthiopien 1972–74 zeigen dasselbe Bild. Versagt hatte die Anspruchsberechtigung — die Möglichkeit der Menschen, über Lohn, Handel oder Transfers an Nahrung zu kommen. Nicht das Vorhandensein von Nahrung ernährt, so Sen, sondern der Zugriff auf sie, über welche institutionellen Kanäle auch immer. Eine Hungersnot ist demnach ein Versagen der sozialen und politischen Ordnung, nicht der Landwirtschaft. Sens Hungersnotanalyse floss in seinen späteren Befähigungsansatz ein, der Entwicklung an den realen Verwirklichungschancen und Freiheiten von Menschen misst. Dieser Ansatz beeinflusste Kennzahlen des UNDP und Teile der entwicklungspolitischen Forschung.
Zwei Fragen ordnen das Feld: Warum sind manche Länder reich und andere arm — und was macht das Leben der Menschen konkret besser? Um die erste konkurrieren drei Denkgebäude. Im Wachstumsmodell von Robert Solow (1956) ist die Produktion eine Funktion aus Kapital, Arbeit und einem Restposten namens totale Faktorproduktivität; es sagt bedingte Konvergenz voraus — arme Länder holen auf, weil Kapital dort am meisten abwirft, wo es knapp ist. Ostasien hat das bestätigt, weite Teile Afrikas und Lateinamerikas nicht. Paul Romers endogene Wachstumstheorie setzte an die Stelle des unerklärten Restpostens die Idee als nicht-rivales Gut: Was einmal gedacht ist, kann jeder nutzen — steigende Erträge werden möglich, und Forschung und Bildung rücken ins Zentrum des Wachstums. Daron Acemoglu und James Robinson griffen in Warum Nationen scheitern und in der Arbeit, für die es 2024 den Nobelpreis gab, tiefer: Kapital und Ideen zirkulieren, bewirken aber wenig, wo Institutionen nach oben abschöpfen, statt breite Teilhabe zu belohnen. Ihr natürliches Experiment mit der Sterblichkeit kolonialer Siedler gehört zu den meistzitierten Befunden der empirischen Ökonomik.
Die zweite Frage hat eine methodische Revolution ausgelöst. Esther Duflo und Abhijit Banerjee gründeten 2003 das J-PAL am MIT und holten gemeinsam mit Michael Kremer die randomisierte kontrollierte Studie aus der Medizin in die Entwicklungsökonomik: Entwurmungsprogramme, bedingte Geldtransfers, die Bepreisung von Moskitonetzen, die Wirkung der Mikrofinanz — geprüft im Feldversuch statt aus der Theorie abgeleitet. 2019 teilten sich die drei den Nobelpreis. Der Schwerpunkt des Fachs wanderte damit von der großen Kausaltheorie — kanonisch das Paar aus Jeffrey Sachs' Plädoyer für den koordinierten Big Push und William Easterlys Warnung, Hilfe verforme gerade die Institutionen, denen sie aufhelfen will — zur sauber identifizierten, schmalen, replizierbaren Evidenz. Quer zu beiden Schulen liegt die Rückkehr der Industriepolitik, gestützt auf die ostasiatische Erfahrung und vertreten von Ha-Joon Chang und Mariana Mazzucato: Sie ist der lebendige Streit der 2020er Jahre.