Rund 25 % des globalen Energieverbrauchs sind keine Elektrizität — es sind Wärme, Brennstoff und Chemie, die Stromnetze nicht direkt bedienen. Stahl, Zement, Luftfahrt, Schifffahrt, Fernverkehr-Lkw, Kunststoffe, Düngemittel und industrielle Hochtemperaturwärme erzeugen zusammen einen erheblichen Anteil der globalen Emissionen und entziehen sich der Lösung aus billigem sauberen Strom, mit der das Netz dekarbonisiert. Eine fossile Anwendung durch eine saubere Alternative zu ersetzen, ist in diesen Sektoren inzwischen gut verstanden; es im industriellen Maßstab, zu akzeptablen Kosten und auf Frist zu tun, ist das schwierigere Problem.
Elektroautos sind der am weitesten fortgeschrittene Sektor. Bis 2024 entfielen rund 20 % der weltweiten Neuwagenverkäufe auf Elektroautos (gegenüber rund 3 % 2020); China führt mit rund 30 % der Neuverkäufe, Europa mit rund 20 %, die USA mit rund 10 %. Akkupreise unter 100 $/kWh — die Schwelle, an der E-Autos ohne Subvention Preisgleichheit mit Verbrennern erreichen — werden inzwischen für 2026 erwartet. Ladeinfrastruktur, Netzkapazität und Akku-Lieferketten sind die Engpässe beim Ausrollen; die Technik ist im Kern fertig. Der Schwerverkehr (Fernverkehr-Lkw, Schifffahrt, Luftfahrt) ist härter. Lkw: batterieelektrisch für kurze Strecken, Wasserstoff-Brennstoffzellen oder nachhaltige Kraftstoffe für lange. Schiffe: Wechsel auf Ammoniak, Methanol oder LNG. Luftfahrt: nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF, oft Biokraftstoffe oder synthetisch) in bescheidenem Umfang; volle Elektrifizierung bleibt der Kurzstrecke vorbehalten. Industriewärme (Stahl, Zement, Glas, Chemie) braucht Temperaturen von 1.000–1.500 °C, die elektrische Heizung im Prinzip liefern kann, aber zu deutlich höheren Kosten als bei Gas. Grüner Wasserstoff (elektrolytisch, aus erneuerbarem Strom) ist die meistdiskutierte Langfristlösung; rund 10 Mt/Jahr Wasserstoff werden Stand 2024 weltweit produziert, doch nur rund 1 % ist heute grün. Die CO₂-Abscheidung an bestehenden Industrieprozessen ist der alternative Pfad. Zement (rund 8 % der globalen Emissionen; CO₂ aus der Kalksteinkalzinierung lässt sich im Standardverfahren nicht vermeiden) und Stahl (die Direktreduktion von Eisen mit Wasserstoff ist technisch erprobt, aber teuer) sind die schwierigsten Einzelsektoren.
Wasserstoff steht erst am Anfang: Elektrolyseure im Industriemaßstab werden installiert, doch die Wettbewerbsfähigkeit hängt an billigem erneuerbaren Strom und hohen CO₂-Preisen, die es in den meisten Märkten so noch nicht gibt. Stahl — HYBRIT in Schweden, H2 Green Steel in Schweden, Pilotprojekte von ArcelorMittal andernorts — steht in der frühen kommerziellen Pilotphase. Zement — Heidelberg, Holcim, Sublime Systems — testet mehrere Chemien. Die Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe deckt unter 1 % der Kerosin-Nachfrage. Der Inflation Reduction Act (USA 2022) und der Carbon Border Adjustment Mechanism der EU (2023) sind die größten politischen Eingriffe gezielt für schwer dekarbonisierbare Sektoren. Die ehrliche Einschätzung: der Verkehr ist auf Kurs, die Industrie ist es nicht; die Emissionsgeschichte nach 2030 hängt wesentlich daran, wie schnell die industriellen Pfade skalieren.