Zwischen 1946 und 1953 versammelten sich im Keller des New Yorker Beekman Hotel die Macy Conferences on Cybernetics — eine wandernde Runde aus Mathematikern, Neurophysiologen, Anthropologen und Informationstheoretikern, darunter Norbert Wiener, John von Neumann, Claude Shannon, Margaret Mead, Gregory Bateson und Warren McCulloch —, um zu fragen, wie Steuerung, Kommunikation und Berechnung in biologischen Organismen und in technischen Systemen gleichermaßen wirken. Der einigende Begriff, der dort heranreifte, war die Rückkopplung: Jedes System, das sich selbst erhält, vom Thermostat über den homöostatischen Körper bis zum jagenden Raubtier, tut dies, indem es seinen eigenen Zustand misst und Abweichungen vom Ziel ausgleicht. Wiener gab dem Feld 1948 den Namen, in seinem Buch Cybernetics: Or Control and Communication in the Animal and the Machine — der Titel ist die These.
Das kybernetische Bild eines jeden zielgerichteten Systems passt auf eine Serviette: Ein Sensor misst den gegenwärtigen Zustand, ein Komparator gleicht ihn mit einem Sollwert ab, ein Aktor korrigiert die Abweichung, und die Umwelt schließt zurück in den Sensor. Negative Rückkopplung — die korrigierende Aktion, die die Abweichung verringert — erzeugt Stabilität und Zielverfolgung, während positive Rückkopplung — die verstärkende Aktion — Wachstum, Außer-Kontrolle-Geraten und Kipppunkte hervorbringt; dieselbe Schleife, einmal das Vorzeichen gewechselt, unterscheidet den Thermostat von einer Bevölkerungsexplosion. Den biologischen Körper hatte Cannon 1926 in nahezu denselben Worten unter dem Namen Homöostase beschrieben, doch die Kybernetik weitete den Rahmen auf technische Systeme aus und, provokativer, auf den Zweck selbst. Rosenblueth, Wiener und Bigelow argumentierten 1943 im seminalen Aufsatz Behavior, Purpose, and Teleology, Zweck sei negative Rückkopplung in Richtung eines Ziels — keine Lebenskraft nötig —, womit sie die Teleologie aus der Metaphysik in die Physik herüberzogen. Ashbys Gesetz der erforderlichen Vielfalt schärfte die Regelungsfrage: Ein Regler braucht mindestens so viele Freiheitsgrade wie die Störungen, die er auffangen soll, weshalb ein Thermostat mit nur AN und AUS die Temperatur nicht präzise regeln kann. Dass die Kybernetik nach den Macy-Konferenzen zersplitterte, lag an ihrem zu großen Zuschnitt — die KI (auf der Dartmouth-Konferenz 1956 benannt) übernahm die kognitive-Maschine-Arbeit, die Regelungstechnik die Ingenieurseite, die Kognitionswissenschaft und die Neurowissenschaft als Informationsverarbeitung die biologische Seite, die Informationstheorie den Kommunikationskanal. Die Namen zerstreuten sich, und die Kybernetik selbst verschwand allmählich aus dem akademischen Mainstream, während ihre Begriffe — Rückkopplung, Homöostase, Regelung, Fehlerkorrektur, erforderliche Vielfalt, Zweck-als-Rückkopplung — zum Grundvokabular sämtlicher Tochterdisziplinen wurden.
Als benanntes Feld ist die Kybernetik weitgehend ruhend, ihre Begriffe aber durchziehen nahezu jedes moderne technische oder lernende System. Die Regelungstechnik steckt in jedem Autopiloten und jedem industriellen Prozesskreis; Robotik und Reinforcement Learning (Akteur–Aktion–Umwelt–Belohnung) sind ausgefeilte kybernetische Strukturen in anderem Vokabular; Erdsystem-Modelle behandeln den Planeten als gekoppelte Rückkopplungsmaschine. Die aktuellste Bestätigung kommt aus dem KI-Alignment-Problem, das sich als kybernetisches Spezifikationsproblem lesen lässt: Wie spezifiziert man ein Ziel so, dass ein Akteur, der es per Rückkopplung verfolgt, das gewünschte Ergebnis erzeugt und nicht eine goodhartisierte Annäherung? Das vereinigende Vokabular, das die moderne Arbeitsteilung verworfen hat, ist offenbar genau jenes, das die Alignment-Forschung gerade neu erfindet.