Kontrapunkt
- Fux's five species from note-against-note to floridnoch nicht geprüft
- Consonance rules and the ban on parallel fifthsnoch nicht geprüft
- Imitation, canon, inversion, and augmentationnoch nicht geprüft
- Subject, answer, and countersubject in the fuguenoch nicht geprüft
Kontrapunkt — vom lateinischen punctus contra punctum, „Note gegen Note“ — ist die Kunst, mehrere Melodien zugleich gut klingen zu lassen, während jede ein Eigenleben behält. Das ist schwerer, als es klingt: Die Harmonie zieht die Stimmen zur Übereinstimmung, die Selbständigkeit treibt sie auseinander, und das ganze Handwerk lebt in dieser Spannung. Vollendet wurde es in der Chorpolyphonie der Renaissance und zum Gipfel geführt von Johann Sebastian Bach, an dessen Wohltemperiertem Klavier und Fugen sich jeder spätere Komponist misst. Als Bach 1750 starb, galt der Stil bereits als altmodisch — und doch hat ihn drei Jahrhunderte später niemand übertroffen.
Gelehrt wird das Handwerk am Spezies-Kontrapunkt, der gestaffelten Methode, die Johann Joseph Fux im Gradus ad Parnassum (1725) niederlegte: Der Schüler beginnt Note gegen Note, ein ganzer Ton antwortet dem anderen, und jede weitere Stufe lockert die Uhr ein wenig — Durchgangstöne, dann Vorhalte, die sich an eine Dissonanz lehnen und sie auflösen —, bis beide Linien frei laufen. Die Regeln jeder Stufe sind keine willkürliche Etikette; sie sind, wie Selbständigkeit klingt. Konsonanzen sind stabil, Dissonanzen müssen vorbereitet und aufgelöst werden, und Parallelquinten und -oktaven sind verboten, weil in dem Augenblick, in dem zwei Stimmen im Gleichschritt gehen, das Ohr aufhört, zwei Stimmen zu hören, und nur noch eine hört. Die Gegenbewegung wird aus demselben Grund geschätzt: Sie ist der hörbare Beweis, dass jede Linie für sich denkt. Die Fuge ist diese Disziplin im großen Maßstab. Eine einzige Melodie — das Thema — erklingt allein, wird von einer zweiten Stimme eine Quinte entfernt beantwortet, dann treten eine dritte und eine vierte hinzu, und das Stück wächst, indem es diesen einen Gedanken gegen sich selbst flicht, umgekehrt, gedehnt, gestaucht, auf das eigene Echo getürmt. Das Erstaunliche an Bachs Fugen ist, dass die Bindungen, die den Ausdruck ersticken müssten, ihn stattdessen erzeugen: die Kunst der Fuge, bei seinem Tod unvollendet geblieben, spinnt aus einem einzigen unscheinbaren Thema fast eine Stunde Musik und klingt nie wie ein gelöstes Rätsel. Dass ein System von Verboten Musik von solchem emotionalem Gewicht hervorbringt, ist das stehende Paradox der Form — dasselbe Paradox, das einen früheren Meister, Palestrina, Trauer und Gelassenheit in Regeln fassen ließ, streng genug, um auf dem Papier mechanisch zu wirken.