Farbenlehre
- Newton bending the spectrum into a circlenoch nicht geprüft
- Cone types, color matching, and opponent channelsnoch nicht geprüft
- Warm-cool, value, and relational colornoch nicht geprüft
- RGB, CMYK, CIELAB, and oklchnoch nicht geprüft
Für Maler war nicht die Principia das wichtige Buch Isaac Newtons, sondern die Opticks von 1704. Darin zeigte Newton, dass weißes Licht ein Gemisch aller Farben ist — ein Prisma zerlegt es in ein lückenloses Spektrum, ein zweites setzt es wieder zu Weiß zusammen. Dann bog er das Spektrum zum Kreis, sodass Rot an Violett anschloss, und vermutete: Was einander auf dem Kreis gegenübersteht, mischt sich zu neutralem Grau. Der Farbkreis war erfunden — und zwar als ein Gegenstand der Physik. Zweieinhalb Jahrhunderte Werkstattwissen — Komplementärkontrast, warm und kalt, der Simultankontrast, den Goethe 1810 beschrieb — mussten nun mit Newtons Kreis in Einklang gebracht werden und später auch mit dem, was die Hirnforschung über die Farbverarbeitung in der Sehrinde herausfand.
Farbe ist keine Eigenschaft der Dinge und auch keine des Lichts. Sie ist das, was das Gehirn erzeugt, sobald die drei Zapfenarten der Netzhaut ihre Signale an die Sehrinde weitergeben. Die Dreifarbentheorie (Young 1802, Helmholtz in den 1860ern, auf Zellebene in den 1960ern bestätigt) erklärt, warum sich im Mischversuch jede sichtbare Farbe aus drei Primärvalenzen nachstellen lässt: Das Auge tastet das Spektrum an genau drei Stellen ab. Die Gegenfarbtheorie (Hering 1892, neuronal in den 1950ern bestätigt) erklärt Nachbilder und den Komplementärkontrast: Die Sehrinde rechnet auf den Achsen Rot–Grün, Blau–Gelb und Hell–Dunkel, und wer lange auf ein rotes Feld starrt, sieht anschließend ein grünes, weil der Rotkanal ermüdet. Beide Theorien treffen zu — nur auf verschiedenen Verarbeitungsstufen: dreifarbig an der Netzhaut, gegenfarbig in der Sehrinde. Die Farbenlehre der Maler hat empirisch Regeln gesammelt, die sich genau darauf abbilden lassen: Komplementärfarben, auf dem Kreis einander gegenüber, steigern sich, wenn sie aneinanderstoßen (Chevreuls Simultankontrast, 1839); warme Farben (Rot, Orange, Gelb) drängen nach vorn, kalte (Blau, Grün, Violett) weichen zurück; die Form modelliert vor allem der Helligkeitswert, Stimmung tragen meist Farbton und Sättigung. Farbräume gibt es je nach Zweck: RGB (additiv, für leuchtende Schirme), CMYK (subtraktiv, für den Druck), HSL und HSV (handlich für Gestalter), CIELAB (empfindungsgemäß gleichabständig, für die Farbmetrik), oklch (der gleichabständige Raum, den die Entwurfswerkzeuge in den 2020er Jahren übernommen haben). Seit Josef Albers (Interaction of Color, 1963) lehrt man Farbe als Beziehungsgröße — dasselbe Pigment wirkt auf Weiß dunkel, auf Schwarz hell, neben Blau warm, neben Orange kalt. Die Impressionisten (Monet, Pissarro, die Pointillisten) setzten die Gegenfarbtheorie unmittelbar um: kleine Tupfer komplementärer Farbe nebeneinander ergeben ein Flirren, das erst im Auge zusammenschießt — leuchtender, als angerührtes Pigment je sein könnte.