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Geschichte & Geopolitik

Der Buddhismus an der Seidenstraße

Eine indische Häresie wurde zur Religion des halben Asiens — zu Fuß.

Um 500 v. Chr. verließ ein indischer Prinz namens Siddhartha Gautama — überzeugt, dass Begierde die Wurzel des Leidens und Leiden die Wurzel des Lebens sei — seinen Palast und begann zu predigen, was später der Buddhismus heißen sollte. Zu seinen Lebzeiten hatte er ein paar tausend Anhänger in der Gangesebene. Der erste große Förderer kam zwei Jahrhunderte später: der Kaiser Ashoka, der sich nach dem Blutbad seines Kalinga-Feldzugs bekehrte und Missionare bis nach Sri Lanka und in die hellenistischen Reiche des Westens entsandte. Binnen fünf Jahrhunderten waren die Lehren entlang der Seidenstraße bis nach Zentralasien gelangt. Im 7. Jahrhundert n. Chr. war der Buddhismus in China, Korea, Japan, Vietnam und dem größten Teil Südostasiens vorherrschend oder im Aufstieg, während die Bekehrung Tibets gerade erst begann und die der Mongolei noch neun Jahrhunderte entfernt lag. Erreicht hat er das ohne zentrale Instanz, ohne staatliche Auferlegung mit dem Schwert und weitgehend ohne Gewalt — durch die Wanderschaft der Mönche.

Die Reisetauglichkeit des Buddhismus ist eine der interessanteren Geschichten der Religionsgeschichte. Er reiste, weil er sich leicht übersetzen ließ — seine Kernaussagen sind propositional und nicht an eine bestimmte heilige Geographie gebunden, sodass ein Sutra auf Chinesisch oder Sogdisch nichts von seiner Wahrheit einbüßte. Er reiste auf den Handelswegen selbst: Kaufleute finanzierten die Höhlenklöster von Dunhuang und Bamiyan als Etappenorte, und Pilger wie der chinesische Mönch Xuanzang, der in den 630er Jahren nach Indien und zurück wanderte, kehrten mit wagenweise Texten zum Übersetzen heim. Er reiste, weil er etwas anbot, was die lokalen Religionen nicht hatten: eine psychologische Technologie — Meditation, Achtsamkeit, die systematische Analyse des Geistes —, die sich neben Ahnenkult oder Daoismus übernehmen ließ, statt deren Abschaffung zu verlangen. Und er reiste, weil monastische Gemeinschaften hervorragend im Aufbau von Institutionen über weite Strecken sind: Texte abschreiben, Schüler ausbilden, neue Klöster gründen, die ihrerseits weitere gründen. Als der Buddhismus im 6. Jahrhundert Japan erreichte, hatte er in Gandhara griechisch-baktrische Kunstkonventionen aufgenommen — weshalb frühe Buddhas leicht apollinisch wirken —, in China konfuzianische Moralanliegen und auf dem Weg durch den Himalaya tantrische Praktiken. Jede Weitergabe passte die Religion an die örtlichen Bedingungen an und bewahrte zugleich den Kern, wobei sie sich in den Theravada des Südens und den Mahayana des Nordens aufspaltete.

Warum es jetzt zählt

Der erneute Einfluss des Buddhismus im Westen — über säkulare Achtsamkeitsprogramme in Kliniken und Schulen, über die kognitiven Verhaltens- und Akzeptanztherapien, die sich seiner Techniken bedienen, über die Neuverpackung der Meditation durch das Silicon Valley als Werkzeug für Produktivität und Resilienz — ist nur der jüngste Durchgang eines alten Musters. Apps wie Headspace und Calm streifen die Metaphysik ab und behalten die Methode, genau wie chinesische Gelehrte einst die Meditation behielten und in ihre eigene Welt einfügten. Die Religion hat nie aufgehört, sich selbst zu exportieren, indem sie ihre Kernpraktiken in jeder kulturellen Sprache lehrbar macht — auch in der Sprache der Neurowissenschaft und des Quartalsberichts.

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