Barockmusik: Tonalität, Konzert, Fuge
- Functional harmony: tonic, dominant, resolutionnoch nicht geprüft
- Concerto, sonata, suite, fugue, opera, oratorionoch nicht geprüft
- Bach as the period's universal synthesistnoch nicht geprüft
Die abendländische Kunstmusik, wie wir sie heute hören — Dur und Moll, Modulation, der Bogen aus Spannung und Auflösung, der von der Tonika wegführt und zu ihr zurück —, hat sich im Wesentlichen im Barock gefestigt. Das System gab es vorher, und es überdauerte die Epoche; doch im 17. und frühen 18. Jahrhundert nahm die tonale Harmonik jene eindeutige Gestalt an, die den meisten Hörern heute als der Normalfall „klassischer“ Musik gilt. Damals wurden auch die meisten kanonischen Formen der abendländischen Kunstmusik kodifiziert: das Konzert, die Sonate, die Suite, die Fuge, die Oper, das Oratorium. J. S. Bach, am Ende der Epoche tätig und 1750 gestorben, führte sie alle zu einer Synthese zusammen, die seither unerreicht geblieben ist.
Aus der Renaissancepolyphonie erbte der Barock ein modales System und dampfte es auf zwei Tonleitern ein: Dur und Moll. Hier entstand die Funktionsharmonik, die für die nächsten drei Jahrhunderte zur Grammatik der abendländischen Musik wurde — der spürbare Unterschied zwischen Tonika, Dominante und Subdominante, die Art, wie ein Dominantakkord zur Tonika drängt, die Gewohnheit, sich von der Haupttonart zu entfernen und zu ihr zurückzufinden. Auch die Formen, die die meisten Hörer mit klassischer Musik verbinden, wurden damals kodifiziert. Vivaldis Vier Jahreszeiten (1725) sind das Konzert in konzentrierter Gestalt: Ein Solist wechselt über drei Sätze hinweg Material mit einem kleinen Orchester, ein wiederkehrendes Tutti-Ritornell verankert jeden davon. Händels Messias (1741) ist das Oratorium — geistliche Musik für Chor, Solisten und Orchester, konzertant aufgeführt. Monteverdis L'Orfeo (1607), die erste Oper, die sich im Repertoire hielt, legte fest, was Oper sein würde: durchkomponiertes Drama. Und die Fuge fand ihre endgültige Gestalt in Bachs Wohltemperiertem Klavier.
J. S. Bach (1685–1750) ist aus einem einzigen Grund die zentrale Gestalt der Epoche: Er schrieb zu beinahe jeder Form das kanonische Beispiel. Die Brandenburgischen Konzerte sind das Lehrbuchkonzert, die Cellosuiten und Violinpartiten die Lehrbuchsuite für unbegleitetes Soloinstrument, die Matthäus-Passion und die h-Moll-Messe die Lehrbuchwerke der großen geistlichen Form, die Goldberg-Variationen der Lehrbuchzyklus, die bei seinem Tod unvollendete Kunst der Fuge das Lehrbuch des Kontrapunkts. Ungewöhnlich ist schon die Breite; beispiellos und bis heute unwiederholt ist die Gleichmäßigkeit der Qualität über diese Breite hinweg. Die historisch informierte Aufführungspraxis der vergangenen sechzig Jahre hat die barocke Spieltechnik so weit rekonstruiert, dass Bach-Aufnahmen heute deutlich anders klingen als vor einem halben Jahrhundert.